Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 325
(PDF, 52 MB)
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Von deutſcher Heldenſage. 325

ſein Gemüt ward ingrimmig. Da kam einsmals des Königs
Sohn, der war ein rotwangiger Knab und war allein in den
Wald gezogen und ſprach: Weland, ich will dir zuſchauen. Da
ſprach der Schmied tückiſch: Stell dich an Ambos, ſo ſchauſt
du alles am beſten, — und zog die glühe Eiſenſtange aus
den Flammen und ſtieß ſie dem Königsknaben durchs Herz.
Sein Gebein bleichte er und goß um die Knochen viel Erz und
Silber, daß ſie zu Säulen der Leuchter wurden, um den Schä⸗
del aber fügte er einen Goldrand, da ward der Schädel zum
Becher. All dies aber ſandte Weland dem Elberich, und wie die
Boten geritten kamen und nach dem Knaben fragten, ſprach
er: Ich ſah ihn nimmer, er iſt zu Wald gerannt.
Zu ſelber Zeit erging ſich des Königs Tochter in ihrem
Garten; die war ſo ſchön, daß ſich die Lilien vor ihr neigten.
Am Zeigefinger trug ſie einen Ring von Gold, geſtaltet wie
eine Schlange, und ein Karfunkel blitzte im Schlangenhaupt,
den hatte Elberich ſelbſt eingefügt und hielt den Ring teurer
als ein Königreich und ſchenkte ihn ſeiner Tochter nur, weil
ſie in ihrer Schöne ihm über alles lieb war. Dieweil ſie aber
eine Roſe pflückte, ſprang der Ring von der Jungfrau Finger
und hüpfte mit hellem Schein über das Geſtein und zerbrach;
und der Karfunkel fiel aus der güldenen Faſſung, daß die
Maid die Hände rang und bitterlich wehklagte und ſich nicht
traute, heimzugehen, denn ſie fürchtete ihres Vaters Zorn.
Da ſprachen die dienenden Frauen: Geh' heimlich zum
Schmied Weland, der weiß Rat dafür. So trat die Königs⸗
tochter in Welands Schmiede und klagte ihre Not. Der nahm
den Ring und fügte ihn zuſammen und ſchmolz Gold und Erz,
und der Karfunkel blitzte wieder im Schlangenhaupt. Aber
Welands Stirn war tief gefurcht, und wie die Jungfrau ihm
freundlich zulachte und gehen wollt', da ſprach er: Hei! wie
kommſt du mir geſchlichen! und warf die feſte Tür ins Schloß
und legte Riegel vor und griff die Königstochter mit ſtarker
Hand und trug ſie in die Kammer, wo Moos und Farrenkraut
geſchichtet lag. Und wie ſie von dannen ging, weinte ſie und
raufte ihr ſeidenweich Haar...


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