Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 328
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0092
328 Zwanzigſtes Kapitel.

Hof ein, und einer ritt voran, der hieß Lupolt. Und alles
Volk der Hauptſtadt ſtaunte über ſie, denn Mäntel und Ge⸗
wande waren ſchwer von Edelſtein und Jachanten beſetzt, und
an den Sätteln der Roſſe klang's von goldenen Schellen. Das
waren die Boten des Königs Rother von Wikingland, und
Lupolt ſprang vom Roß und ſprach zum Kaiſer:
Uns ſchickt unſer König, geheißen Rother, der iſt der ſchönſte
Mann, der je vom Weibe kam, ihm dienen die beſten Helden,
und an ſeinem Hof iſt Ball und Schall und Federſpiel, ſoviel
das Herz begehrt. Er aber iſt unbeweibt, und ſein Herz ſteht
einſam: Ihr ſolltet ihm Eure Tochter geben! Konſtantinus
aber war ein zornmütiger Herr; grimm warf er ſeinen
Reichsapfel zu Boden und ſprach: Um meine Tochter hat
noch keiner geworben, der nicht den Kopf verloren, was bringt
Ihr mir ſolchen Schimpf über das Meer? Ihr ſeid alle ge⸗
fangen! Und ließ ſie in einen Kerker werfen, da ſchien weder
Sonne noch Mond drein, und bekamen nur Waſſer, ſich zu
laben, und weinten ſehr.
Wie die Kunde zum König Rother kam, da ward ihm ſein
Herz ſehr traurig, und er ſaß auf einem Stein und ſprach zu
niemand. Dann faßte er den Entſchluß, in Reckenweiſe über
Meer zu fahren, um ſeinen getreuen Sendboten beizuſpringen.
Und er war verwarnt vor den Griechen, daß man dort die
Wahrheit übergülden müſſe, ſo man etwas beſchaffen wolle,
darum hieß er ſeine Recken eidlich angeloben, daß ſie alle vor⸗
gäben, er heiße nicht Rother, ſondern Dieterich, und ſei land⸗
flüchtig vor dem König Rother und gehre Hilfe bei dem
Griechenkaiſer. Alſo fuhren ſie über Meer.
Und Rother nahm ſeine Harfe an Schiffes Bord, denn bevor
ſeine zwölf Geſandten die Anker gelichtet, war er mit der Harfe
an Strand gekommen und hatte drei Singweiſen gegriffen,
das ſollte ihnen ein Angedenken ſein: Und kommet ihr je in Not
und höret die Weiſen erklingen, ſo iſt Rother helfend euch nah!
Es war ein Oſtertag, und der Kaiſer Konſtantin war nach
dem Hippodrom ausgeritten, da hielt Rother ſeinen Einzug.
Und alle Bürgersleute von Konſtantinopel liefen zuſammen;


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