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Von deutſcher Heldenſage. 329
das war noch nie erſchaut, denn Rother brachte auch ſeine Rie⸗
ſen mit ſich: der erſte hieß Asprian und trug eine Stahlſtange,
die war vierundzwanzig Ellen lang, der zweite hieß Widolt
und war ſo wildwütig, daß ſie ihn in Ketten mitführen mußten,
der dritte hieß Abendrot.
Und viel tapfere Degen kamen mit Rother geritten, und
zwölf Wagen mit Schätzen fuhren an, und war ſolche Pracht,
daß die Kaiſerin ſprach: O weh, wie dumm ſind wir geweſen,
daß wir unſere Tochter dem König Rother verſagten; was
muß der für ein Mann ſein, der ſolche Helden vertreibt über
die Meere!
König Rother trug einen güldenen Harniſch und einen pur⸗
purnen Waffenrock und zwei Reihen ſchöner Ringe am Arm
und beugte ſein Knie vor dem Griechenkaiſer und ſprach: Mich
Fürſten Dieterich hat ein König in Acht getan, der heißt Rother,
nun iſt alles, was ich gearbeitet, zu meinem Schaden. Ich biet'
Euch meine Dienſte an.
Da lud Konſtantinus die Helden alle zum Hippodromushof
und hielt ſie in hohen Ehren und hieß ſie zu Tiſch ſitzen. Es lief
aber da ein zahmer Löwe herum, der gewohnt war, den Knechten
das Brot wegzufreſſen. Der kam auch an Asprians Teller, ihn
aufzulecken. Da ergriff Asprian den Löwen an der Mähne und
warf ihn an des Saales Wand, daß er zerbrach. Und die
Kämmerer ſprachen zu einand: Wer nicht an die Wand fliegen
will, laſſe dieſes Mannes Teller unberührt.
König Rother aber teilte den Griechen viel ſchöne Geſchenke
aus; jedem, der ihn auf der Herberge beſuchte, hieß er einen
Mantel verehren oder ein Stück Gewaffen. Es kam auch ein
landflüchtiger Grafe daher, dem ſchenkte er tauſend Mark Silber
und nahm ihn in Dienſt, alſo daß viel hundert Ritter in ſein
Gefolge traten. So war in aller Munde des vermeinten
Dieterichs Preis, und unter den Frauen hob ſich ein Wiſpern
und Raunen, es war keine Kemenate, daß die Wände nicht Herrn
Dieterich rühmen hörten.
Da ſprach die goldlockige Kaiſertochter zu Herlindis, ihrer
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