Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 332
(PDF, 52 MB)
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332 Zwanzigſtes Kapitel.

regenfeuchten Hof zu Dieterich. Und der werte Held wußte
wohl, warum ſie kam, er tat aber, als ſähe er's nicht. Herlindis
ſprach zu ihm: Ich muß noch mehr Botengänge tun, es iſt ein
Mißgriff geſchehen: itzt heißt dich meine Herrin mahnen, daß
du den andern Schuh gebeſt und ſie geſeheſt ſelber. Hei, wie
tät ich's gerne! ſprach er, aber des Kaiſers Kämmerer werden
mich melden. O nie! ſagte Herlindis, die tummeln ſich im Hof
und ſchießen den Speerſchaft, nimm du zwei Diener und heb
dich leis mir nach, bei Schall und Kampfſpiel miſſet dich keiner.
Jetzt wollte die Getreue von dannen gehen. Doch der Held
ſprach: Ich will erſt nach den Schuhen fragen. Da rief Asprian
draußen: Was liegt an einem alten Schuh? Viel tauſend haben
wir geſchmiedet, die trägt das Ingeſind; ich will den rechten
ſuchen. Und er brachte ihn, und Dieterich ſchenkte der Kam⸗
merfrau wiederum einen Mantel und zwölf Spangen.
Da ging ſie voraus und kündete ihrer Herrin die erwünſchte
Märe. Herr Dieterich aber hieß im Hippodromushofe einen.
großen Schall anheben und hieß die Rieſen ausgehen; da fuhr
Widolt mit der Stange heraus und gebärdete ſich ſchreckent⸗
lich, und Asprian ſchlug einen Purzelbaum in die blaue Luft,
und Abendrot warf einen ungefügen Stein von viel hundert
Pfunden und erſprang ihn zwölf Klafter weit, ſo daß keiner
der Merker Herrn Dieterich wahrnehmen mochte.
Der ging züchtiglich über den Hof. Am Fenſter erſchaute ihn
die harrende Kaiſertochter, da ſchlug ihr Herz, und die Keme⸗
nate ward ihm aufgetan, und ſie ſprach zu ihm: Willkomm',
edler Herr! wie ſeh ich Euch gerne. Nun ſollt Ihr mir die
ſchönen Schuhe ſelber anziehen.
Mit Freuden! ſprach der Held und ſetzte ſich zu ihren Füßen,
und ſein Gebaren war gar ſchön, und ſie ſtellte ihren Fuß auf
ſein Knie, der Fuß war zierlich, und die Schuhe paßten wohl,
da fügte ſie Herr Dieterich ihr an.
Nun ſage mir, vieledle Jungfrau, begann drauf der Liſtige,
dich hat ſicher ſchon gebeten manch ein Mann, du ſolleſt zu
ſeinem Willen ſtahn, welcher unter allen hat dir am beſten
gefallen?


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