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Von deutſcher Heldenſage. 333
Da ſprach des Kaiſers Tochter ernſthaft: Herr! auf die Seele
mein, ſo wahr ich getaufet bin, ſo man alle Recken der Welt
zuſammenſtehen hieße, es möchte keiner wert ſein, dein Genoſſe
zu heißen. Du biſt der Tugend ein auserwählter Mann, —
und doch, ſo die Wahl bei mir ſtünde, ſo nähme ich einen
Helden, deß muß ich denken mit jedem neuen Tag; ſeine Boten
hat er ausgeſchickt, um mich zu werben, die liegen itzt in tiefem
Kerker. Er heißet Rother und ſitzt über dem Meer' — wird
mir der nicht, ſo bleib ich eine Maid immerdar.
Eia, ſprach Dieterich, willſt du den Rother minnen, den
ſchaff' ich dir zur Stelle. Wir haben als Freunde fröhlich
gelebt, er war mir gnädig und gut, wenngleich er dann mich
Landes vertrieb.
Da ſprach die Kaiſertochter: Höre, wie kann dir der Mann
lieb ſein, wenn er dich vertrieben? Ich merke wohl, du biſt
ein Bote, hergeſandt von König Rother, nun ſprich und ver⸗
hehle mir nichts: was du mir heut auch ſageſt, iſt wohl bei mir
vertaget bis an den jüngſten Tag.
Da tat der Held einen feſten Blick nach ihr und ſagte: Nun
ſtell' ich alle meine Dinge Gottes Gnade und der deinen anheim.
Wohl denn! es ſtehen deine Füße in König Rothers Schoß!
Hart erſchrak die Vielholde; den Fuß zuckte ſie auf und
klagte: O weh mir, nun war ich ſo ungezogen, mich trog der
Übermut, daß ich den Fuß geſetzt auf deinen Schoß. Hat dich
Gott hergeſendet, das wär' mir innig lieb. Doch wie mag ich
dir getrauen? So du die Wahrheit probteſt, noch heute wollt'
ich mit dir meines Vaters Reich räumen; es lebet kein Mann,
den ich nähme, ſo du König Rother wäreſt genannt — aber
vorerſt bleibt's wohl ungetan.
Wie ſoll ich's beſſer proben, erwiderte der König, als durch
meine Freunde im Kerker? So die mich erſchauen könnten,
dir würde bald kund, daß ich wahr geredet.
So will ich meinen Vater bereden, daß er ſie heraus laſſe,
ſprach des Kaiſers Tochter. Aber wer wird Bürge ſein, daß
ſie nicht entrinnen?
Ich will ſie über mich nehmen, ſprach er.
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