Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 336
(PDF, 52 MB)
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336 Zwanzigſtes Kapitel.

Herr Spazzo ward drob nicht böſe: Die Kammerfrauen in
Konſtantinopel ſcheinen die Feinheit mit Löffeln gegeſſen zu
haben, ſprach er. Aber ſollt' ich auch beſiegt ſein, der letzte
hat noch nicht geſungen.
Er ſah auf Ekkehard hinüber. Aber der ſaß wie ein Traum⸗
bild in ſich verſunken. Er hatte vom König Rother wenig
vernommen, der Herzogin Stirnband mit der Roſe war das
Ziel ſeiner Augen geweſen, dieweil Praxedis erzählte.
.. . Übrigens glaub' ich die Geſchichte kaum, fuhr Herr Spazzo
fort. Vor Jahren bin ich im Biſchofshof zu Konſtanz drüben
beim Wein geſeſſen, da kam ein griechiſcher Reliquienverkäu⸗
fer, der hieß Daniel und hatte viel heilige Leiber und Kirchen⸗
ſchmuck und künſtlich Geräte bei ſich. Dabei war auch ein alter⸗
tümlich Schwert mit edelſteinbeſetzter Scheide, das wollt' er mir
aufſchwatzen und ſprach, es ſei das Schwert des König Rother,
und wären die güldenen Taler bei mir nicht ebenſo dünn geſäet
geweſen wie die Haare auf des Griechen Scheitel, ich hätt'
es gekauft. Der Mann erzählte, mit dem Schwert hab' Herr
Rother mit dem König Ymelot von Babylon geſtritten um des
Kaiſers Tochter, aber von goldenen Schuhen und Kammer⸗
frauen und Harfenſpiel hat er nichts gewußt.
Es wird noch vieles auf der Welt wahr ſein, ohne daß Ihr
Kenntnis davon habt, ſprach Praxedis leicht.
Der Abend dunkelte. Mit gelbem Schein war der Mond
aufgeſtiegen, würziger Duft durchſtrömte die Lüfte, im Gebüſch
und am Felshang flimmerte es von Leuchtläfern, die ſich an⸗

ſchickten auszufliegen. Ein Diener kam herab und brachte Wind⸗

lichter; von ölgetränktem Linnen wie von einer Laterne um⸗
fangen, brannten die Kerzen. Es war lind und lieblich im
Garten.
Der Kloſterſchüler ſaß vergnügt auf ſeinem Schemel und
hielt die Hände gefaltet wie in Andacht.
Was meint unſer junger Gaſt? fragte die Herzogin.
Ich wollte mein ſchönſtes lateiniſches Buch geben, ſprach er,
wenn ich es hätte mit anſehen können, wie der Rieſe Asprian
den Löwen an die Wand warf.


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