Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 337
(PDF, 52 MB)
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Von deutſcher Heldenſage. 337

Du mußt ein Recke werden und ſelber auf Rieſen und Dra⸗
chen ausziehen, ſcherzte die Herzogin.
Aber das leuchtete ihm nicht ein: Wir bekommen mit dem
Teufel zu ſtreiten, ſagte er, das iſt mehr.
Frau Hadwig war noch nicht geſtimmt, aufzubrechen. Sie
knickte ein Zweiglein vom Ahorn in zwei ungleiche Stücke und
trat zu Ekkehard. Der fuhr verwirrt auf.
Nun, ſprach die Herzogin, ziehet! Ihr oder ich.
Ihr oder ich! ſprach Ekkehard ſtumpf. Er zog das kürzere
Ende. Es gleitete ihm aus der Hand; er ließ ſich wieder auf
ſeinen Sitz nieder und ſchwieg.
Ekkehard! ſprach die Herzogin ſcharf.
Er ſchaute auf.
Ihr ſollet erzählen!
Ich ſoll erzählen! murmelte er und fuhr mit der Rechten
über die Stirn. Sie war heiß; es ſtürmte drin.
Ja wohl, — erzählen! Wer ſpielt mir die Laute dazu?
Er ſtand auf und ſah in die Mondnacht hinaus. Verwundert
ſchauten die andern ſein Gebaren. Er aber hub mit klangloſer
Stimme an:
Es iſt eine kurze Geſchichte. Es war einmal ein Licht, das
leuchtete hell und leuchtete von einem Berg hernieder und leuch⸗
tete in Regenbogenfarben und trug eine Roſe im Stirnband.
Eine Roſe im Stirnband?! brummte Herr Spazzo kopf⸗
ſchüttelnd.
Und es war einmal ein dunkler Nachtfalter, fuhr Ekkehard
in gleichem Ton fort, der flog zum Berg hinauf und flog um
das Licht und wußte, daß er verbrennen müſſe, wenn er hin⸗
einfliege, und flog doch hinein, und das Licht verbrannte den
Nachtfalter, da ward er zur Aſche und vergaß des Fliegens!
Amen!
Frau Hadwig ſprang unwillig auf.
Iſt das Eure ganze Geſchichte? fragte ſie.
Meine ganze Geſchichte! ſprach er mit unveränderter Stimme.
Es iſt Zeit, daß wir hinaufgehen, ſagte Frau Hadwig ſtolz.
Die Nachtluft ſchafft Fieber.
Scheffel. V/VI. 22


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