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340 Einundzwanzigſtes Kapitel.
gehn einen Strahl der Gnade auf mich Unwürdigen!“ Er hob
den Blick und ſchaute ſtarr hinauf, als müſſe das ernſte Ge⸗
bild aus der Wand niederſteigen und ihm die Hand reichen.
„Ich liege vor dir, wie Petrus vom Seeſturm umbrauſt, die
Wellen tragen mich nicht, Herr, rette mich! Rette mich wie
jenen, da du, über die Sturmflut wandelnd, ihm die Hand ge⸗
reicht und geſprochen: Kleingläubiger, warum zweifelſt du?“
Aber es geſchah kein Zeichen.
Ekkehards Denken war zerrüttet.
Es rauſchte durch die Kapelle wie Frauengewand. Er hörte
nichts.
Frau Hadwig war heruntergeſtiegen, eine ſeltſame Anwand⸗
lung trieb ſie. Seit ſie dem Mönch gram geworden, ſtand
das Bild ihres alten ſeligen Ehgemahls öfters vor ihrer Seele,
denn ehedem. Natürlich. Wenn ſich dieſer niederlegt, muß
ſich jener heben. Das neuerliche Leſen im Virgilius hatte auch
dazu beigetragen; es war ſo mannigfach vom Gedächtnis an
Sichäus die Rede.
Morgen neute ſich der Todestag Herrn Burkhards. In der
Kapelle lag der alte Herzog mit Schild und Lanze begraben.
Eine rohe Platte deckte ſein Grab ſeitwärts vom Altar. Matt
brannte die ewige Lampe drüber. Ein Sarkophag aus grauem
Sandſtein ſtand dabei, unförmliche kleine Halbſäulen mit
ioniſch gewundenem Knauf waren an den Ecken angefügt; ſie
ruhten auf fratzenhaften Tiergeſtalten. Den Steinſarg hatte
Frau Hadwig einſt für ſich ſelber anfertigen laſſen. Jeweils
an des Herzogs Gedächtnistag ließ ſie ihn, mit Korn und
Früchten gefüllt, hinauftragen und verteilte ſeinen Inhalt den
Armen — die Mittel zum Leben aus der Ruhſtatt der Toten:
es war ein frommer Brauch ſo ²²²). L
Sie wollte heute an ihres Gatten Grab beten. Des Ortes
Halbdunkel deckte den knienden Ekkehard. Sie ſah ihn nicht.
Da ſchreckte ſie auf aus ihrer Andacht. Halblaut, aber
ſchneidig ſchlug ein Lachen an ihr Ohr, ſie kannte die Stimme.
Ekkehard hatte ſich erhoben, er ſprach itzt die Worte des Pſalms:
„Beſchirme mich, o Herr, unter dem Schatten deiner Flügel,
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