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Verſtoßung und Flucht. 343
und über alle böſe Zungen lachen wir, und die Menſchen
ſprechen dann, wenn ſie am Winterofen ſitzen: das iſt eine
ſchöne Geſchichte vom treuen Ekkehard, der hat den Kaiſer Er⸗
manrich erſchlagen, da er die Harlungen aufhing, und dann
iſt er mit ſeinem weißen Stab vor Frau Venus Berg geſeſſen
viel hundert Jahr und hat gemeint, er wolle bis zum jüngſten
Tag die Leute warnen, die zum Berg wallen 2²⁴); aber hernach⸗
mals iſt's ihm langweilig worden, und er ging durch und ward
ein Mönch in Sankt Gallen und fiel ſich zu Tode, und jetzt ſitzt
er bei einer blaſſen Frau und lieſt Virgil, und es klingt mit⸗
ternächtig durchs Hegau: Den unſäglichen Schmerz zu erneuen,
gebeutſt du, o Königin, mir! und ſie muß ihn küſſen, ob ſie
will oder nicht — der Tod holt nach, was das Leben verſäumt!
Er hatte geſprochen mit irrem Blick. Jetzt brach er zu⸗
ſammen in leiſem Weinen. Frau Hadwig war unbewegt geſtan⸗
den, es war, als ob ein Flimmer von Mitleid ihr kaltes Aug'
durchleuchte, ſie beugte ſich nieder.
Ekkehard! ſprach ſie, Ihr ſollt nicht vom Tod ſprechen. Das
iſt Wahnſinn. Wir leben, Ihr und ich...
Er bewegte ſich nicht. Da legte ſich ihre Hand leicht über
das fieberheiße Haupt. Es ſtrömte und flutete durch ſein Ge⸗
hirn. Er ſprang auf.
Ihr habt recht! rief er, wir leben. Ihr und ich! Tanzende
Nacht legte ſich um ſeinen Blick; er tat einen Schritt vor, ſeine
Arme ſchlangen ſich um das ſtolze Frauenbild, wütend preßte
er ſie an ſich, ſein Kuß flammte auf ihren Lippen, ungehört
verklang ihr Widerſpruch.
Er hob ſie hoch ggen den Altar, als wäre ſie ein Weih⸗
geſchenk, das er darbringen wollte: Was hältſt du die gold⸗
glänzenden Finger ſo ruhig und ſegneſt uns nicht? rief er
zum düſter ernſten Moſaikbild hinauf...
Die Herzogin war zuſammengeſchrocken wie ein wundes Reh;
— ein Augenblick, da ballte und bäumte ſich alles in ihr von
gekränktem Stolz; ſie ſtieß den Raſenden mit ſtarker Hand vor
die Stirn und entſtrickte ſich ſeinem Arm.
Noch hielt er ihre Hüfte umſchlungen, da tat ſich die Pforte
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