Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 347
(PDF, 52 MB)
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Verſtoßung und Flucht. 347

Er deutete nach den helvetiſchen Bergen. Praxedis erſchrak.
Was wollet Ihr mit ihm anfangen?
Was recht iſt, ſprach Rudimann mit finſterm Blick. Buhlerei,
Gewalttat, Ungehorſam, Hochmut, Kirchenſchändung, Läſte⸗
rung Gottes: es gibt der Namen nicht genug für ſeine Frevel,
aber Mittel zur Sühnung, Gott ſei es gedankt, gibt es!
Er fuhr mit dem Arm aus wie zu einem Streich.
.. . ja wohl, Mittel zur Sühnung, wonneſame Jungfrau!
Wir werden ihm einen Denkzettel aufs Fell ſchreiben.
Habt Mitleid, ſprach Praxedis, er iſt ein kranker Mann.
Gerade deswegen heilen wir ihn. Wenn er erſt, an die
Säule gebunden, den Rücken krümmt und ein halb Dutzend
Ruten drauf zerſchlagen ſind, das treibt Grillen und Teufels⸗
werk aus dem Kopf...
Um Gottes willen! jammerte die Griechin.
Beruhigt Euch, es kommt noch beſſer. Ein entlaufen Schaf
gehört in ſeinen Stall geliefert, dort ſind gute Hirten, die
beſorgen das Weitere: Schafſchur, Jungfräulein, Schafſchur!
Dort ſchneiden ſie ihm die Haare ab, das ſchafft dem Haupte
Kühlung, und wenn Ihr einmal in Jahresfriſt zum heiligen
Gallus wallfahren wollt, ſo wird Sonn⸗ und Feiertags einer
mit bloßen Füßen vor der Kirchentür ſtehen, und ſein Kopf
wird kahl ſein wie ein Stoppelfeld, und das Bußgewand wird
ihn zierlich kleiden. Was meint Ihr? Die Heidenwirtſchaft
mit dem Virgilius hat ein Ende.
S iſt unſchuldig, ſagte Praxedis.
O, ſprach der Kellermeiſter ſpöttiſch, der Unſchuld krümmen
wir kein Haar. Er braucht ſie nur durchs Gottesurteil zu be⸗
weiſen; wenn er mit heilem Arm den goldenen Ring aus dem
Keſſel mit ſiedendem Waſſer herausfängt, gibt ihm unſer Abt
ſelber den Segen, und ich werd' ſagen, es war nur Nebelbild
und Teufelsſpuk, daß meine Augen in der Kapelle ſeine Heilig⸗
keit den Bruder Ekkehard ſahen, wie er Eure Herrin um⸗
fangen hielt.
Praxedis weinte. Lieber, ehrwürdiger Herr Kellermeiſter...


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