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348 Einundzwanzigſtes Kapitel.
ſprach ſie bittend. Er ſenkte einen ſchiefen Blick auf ſie, der
blieb an der Griechin Buſen haften.
So iſt es! ſagte er mit gekniffenen Lippen. Ich wollte
übrigens eine Fürbitte beim Abt einlegen, wenn...
Wenn? fragte Praxedis geſpannt.
Wenn Ihr heut abend geruhen wolltet, Eure Kammer nicht
zu verſchließen, daß ich Euch Bericht bringen kann vom Erfolg.
Er zog wie ſpielend die großen Falten ſeiner Kutte zuſam⸗
men, daß die geſchnürten Hüften hervortraten ²7), und nahm
eine ſelbſtgefällige erwartende Haltung an. Praxedis trat zu⸗
rück. Ihr Fuß ſtampfte die blaue Kornblume, die am Boden
lag.
Ihr ſeid ein ſchlechter Menſch, Herr Kellermeiſter! ſprach ſie
und drehte ihm den Rücken. Rudimann verſtand ſich auf Ge⸗
ſichter. Aus dem Zucken von Praxedis' Augenlid und den drei
bitterböſen Stirnfalten ward ihm klar, daß ihre Kammer für
alle Kellermeiſter der Chriſtenheit jetzt und immerdar verſchloſ⸗
ſen bleibe.
Sie ging. Habt Ihr noch etwas zu befehlen? ſprach ſie im
Fortgehen.
Ja wohl, griechiſches Inſekt, antwortete er mit kühlem Ton,
einen Krug Eſſig, wenn es gefällig iſt. Ich will meine Ruten
drin einweichen, es ſchreibt ſich dann beſſer und vernarbt ſchwe⸗
rer. Ich hab' noch keinen Erklärer des Virgilius ausgehauen:
der verdient ſchon eine beſondere Ehre.
Unter der Linde ſaß Burkhard, der Kloſterſchüler, und
ſchluchzte noch immer. Praxedis küßte ihn im Vorbeigehen.
Es geſchah dem Kellermeiſter zu leid.
Sie ging hinauf zur Herzogin und gedachte einen Fußfall zu
tun und für Ekkehard zu bitten. Aber das Kloſet blieb ver⸗
ſchloſſen. Frau Hadwig war tief erzürnt; wenn die Mönche
der Reichenau nicht dazu gekommen, hätte ſie Ekkehards Kühn⸗
heit verzeihen mögen, ſie ſelber hatte ja den Keim zu allem
gelegt, was jetzt aufgewachſen war — aber jetzt war Ärgernis
gegeben, das heiſchte Strafe. Scheu vor böſen Zungen hat
ſchon manch Ding gewendet.
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