Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 350
(PDF, 52 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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350 Einundzwanzigſtes Kapitel.

Was werd' ich tun? dachte er weiter. Die Hand aufs Herz,
den Blick zum Himmel, werd' ich rufen: Ekkehard iſt ohne
Schuld! Aber die Richter ſprechen: probe es! Der große
Kupferkeſſel wird vorgeſchleppt, das Feuer unter ihm ange⸗
zündet, hoch wallt und ziſcht das Waſſer, der Abt zieht den
güldenen Ring vom Finger, ſie ſtreifen ihm den Ärmel der
Kutte zurück, Bußpſalmen tönen dumpf dazwiſchen: „Ich be⸗
ſchwöre dich, Kreatur des Waſſers, daß der Teufel weiche aus
dir und du dem Herrn dieneſt zu Offenbarung der Wahrheit
gleich dem Feuerofen des Königs von Babylon, da er die drei
Jünglinge hineinwerfen ließ! 1“ Alſo beſpricht der Abt die ko⸗
chende Flut, und: „tauch' ein den Arm und ſuche den Ring!“
befiehlt er dem Angeklagten..
Gerechter Gott, wie wird dein Urteil ſprechen? Wilde Zwei⸗
fel nagten an Ekkehards Gemüt. Er glaubte an ſich und ſein
gutes Recht; minder feſt an die ſchaurigen Mittel, in denen
Prieſterwitz und Geſetzgebung den Wahrſpruch der Gottheit
zu finden meinten.
Auf der Bücherei ſeines heimiſchen Kloſters lag ein Büchlein,
das die Aufſchrift trug: „Gegen die ordnungswidrige Mei⸗
nung derer, die da glauben, daß durch Feuer oder Waſſer oder
Zweikampf die Wahrheit des göttlichen Gerichtes geoffenbart
werde.“ Das Büchlein hatte er einſt geleſen und wohl behalten;
es war der Nachweis, daß bei all dieſen, uraltem Heidentum
entſtammenden Proben, wie ſpäter der treffliche Gottfried von
Straßburg es benamſte: „Der heilig Chriſt windſchaffen wie
ein Ärmel iſt.“
Und wenn kein Wunder geſchieht??
Sein Denken neigte ſich zu kleinmütiger Zagnis. Verbrann⸗
ten Armes und ſchuldig geſprochen, den Staupenſchlag erlei⸗
den müſſen ... und ſie ſteht oben auf dem Söller und ſchaut
drauf hernieder, als geſchähe es einem wildfremden Mann:
Herr des Himmels und der Erde, ſende deine Blitze!
Aber die Hoffnung leuchtet auch dem Elendeſten noch. Da
ward's ihm wieder, als töne in all den Jammer ein gelles
Halt! ſie ſtürzt herunter in fliegendem Gelock und rauſchendem


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