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Verſtoßung und Flucht. 351
Herzogsmantel und treibt die Peiniger auseinander wie der
Heiland die Wucherer im Tempel und reicht ihm Hand und
Lippen zum Kuß der Verſöhnung... lang und ſchön und glü⸗
hend malte er ſich's aus, ein Hauch von Troſt kam über ihn, er
ſprach mit den Worten des Predigers: Im Ofen werden die
Geſchirre des Töpfers bewährt und gerechte Menſchen in An⸗
fechtung der Trübſal *s): Wir wollen unbeirrt erwarten, was
da kommt.
Er hörte ein Geräuſch im Gemach vor ſeinem Kerker. Ein
Steinkrug ward aufgeſetzt. Ihr ſollt tapfer trinken! ſprach
eine Stimme zum wachhaltenden Kloſterbruder, in Sankt Jo⸗
hannis Nacht gehen allerhand Überirdiſche durch die Luft und
ſtreichen an unſerer Burg vorbei, macht, daß Ihr Mut be⸗
haltet; es ſteht noch ein zweiter Krug bereit. Es war Praxedis,
die den Wein brachte.
Ekkehard verſtand nicht, was ſie wollte. Auch ſie iſt falſch,
dachte er. Gott behüte mich!
Er ſchloß ſeine Augen zum Schlummer. Nach einer guten
Weile ward er aufgeweckt. Dem Kloſterbruder draußen mußte
der Wein geſchmeckt haben, er ſang ein Lied zum Preis der
vier Goldſchmiede ²²), die in Rom einſt die Fertigung heid⸗
niſcher Götzenbilder geweigert und das Martyrium erlitten,
und ſchlug mit dem ſandalenbeſchwerten Fuß den Takt auf die
Steinplatten. Ekkehard hörte, daß dem Mann ein zweiter Krug
gebracht ward. Sein Geſang ward laut und ſtürmiſch. Dann
hielt er ein Selbſtgeſpräch, worin viel von Welſchland und gu⸗
ten Biſſen und der heiligen Agneſe vor den Mauern die Rede
war. Dann verſtummte er. Sein Schnarchen tönte vernehmlich
durch die Steinwände zum Gefangenen herüber.
Die Burg lag ſtill. Es ging auf Mitternacht. Ekkehard ruhte
in leiſem Halbſchlummer, da war's ihm, als würde der Riegel
ſachte zurückgeſchoben: er blieb auf ſeinem Lager. Eine Geſtalt
trat ein, eine weiche Hand fuhr über des Schlummernden
Stirn. Er ſprang auf.
Still! flüſterte die Eingetretene.
Wie alles zu ſchlafen ging, hatte Praxedis gewacht. Der
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