Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 352
(PDF, 52 MB)
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352 Einundzwanzigſtes Kapitel.

ſchlechte Kellermeiſter ſollte die Freude nicht haben, unſern
ſchwermütigen Lehrer zu züchtigen, das war ihr Denken. Frau⸗
enliſt findet Mittel und Wege zu dem, was ſie ausgeſonnen.
Den grauen Mantel umgeſchlagen, ſchlich ſie herunter, es
brauchte keiner beſonderen Täuſchungen. Der Kloſterbruder
ſchlief als wie ein Gerechter. Hätte er nicht geſchlafen, ſo
hätte ihn die Griechin durch einen Spuk ſcheu gemacht, ſo war
ihr Plan.
Ihr müßt fliehen! ſprach ſie zu Ekkehard. Sie drohen Euch
das Schlimmſte.
Ich weiß es! ſagte der Überraſchte wehmütig.
Auf denn!
Er ſchüttelte das Haupt: Ich will dulden, ſprach er.
Seid kein Narr! flüſterte Praxedis. Erſt habt Ihr Euer
Haus auf den ſchimmernden Regenbogen gezimmert, und nun
es zuſammengefallen, wollt Ihr Euch auch noch mißhandeln
laſſen? Als wenn die ein Recht hätten, Euch zu geißeln und
fortzuſchleppen! und wollt ihnen die Freude machen, Eure
Erniedrigung zu ſehen.. 's wär' freilich ein ſchönes Schau⸗
ſpiel, man würde es Euch gönnen! Einen braven Mann ſieht
man nicht alle Tage hinrichten, hat einmal in Konſtantinopel
einer zu mir geſagt, wie ich fragte, warum er ſo ſpringe.
Wohin ſoll ich mich wenden? fragte Ekkehard.
Nach der Reichenau nicht und nach Eurem Kloſter auch nicht,
ſagte Praxedis. Es gibt noch manchen Unterſchlupf auf der
Welt. Sie war ungeduldig worden, ergriff Ekkehards Hand
und zog ihn mit ſich. Vorwärts! raunte ſie ihm zu. Er ließ
ſich von ihr führen. Sie ſchlichen am ſchlafenden Wächter
vorüber. Jetzt ſtanden ſie im Burghof. Der Brunnen plät⸗
ſcherte hell. Ekkehard beugte ſich übers Rohr und trank einen
langen Schluck des kühlen Waſſers ²⁵⁰). Alles vorbei! ſprach er.
Jetzt bergab!
Es war eine ſtürmiſche Nacht. Den Torweg könnt Ihr nicht
hinunter, die Brücke iſt aufgezogen, ſprach Praxedis, aber zwi⸗
ſchen den Felſen an der Morgenſeite iſt's möglich, unſer Hir⸗
tenknab hat den Weg auch ſchon verſucht.


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