Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 377
(PDF, 52 MB)
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Auf der Ebenalp. 377

Benedicta zu Ekkehard herauf, daß Ihr Euch ſo vergnügt auf
den Rücken ſtrecket. Gefällt's Euch?
Ja, ſprach Ekkehard, pfeif' weiter.
Er konnte ſich nicht ſatt ſchauen an all der Pracht. Zur
Linken ſtund in ſchweigender Größe der Säntis mit ſeiner
Sippe, — er kannte ſchon all die einzelnen Häupter bei ihren
Namen und hieß ſie ſeine lieben Nachbarn; vor ihm breitete
ſich ein Gewimmel niedrigerer Berge und Hügel aus, grünes
üppiges Mattenland und dunkle Wälder, ein Stück Rheintal
glänzte herauf, von den Höhen des Arlbergs und fernen rhäti⸗
ſchen Alpen umſäumt, — ein dunſtiger Streif Nebel deutete das
Becken des Bodenſees an, das er umhüllte — alles war breit
und groß und ſchön. L
Wer das Geheimnis erlauſcht hat, das auf luftiger Berghöhe
waltet und des Menſchen Herz weitet und dehnt und himmelan
hebt in freiem Schwung der Gedanken, den faßt ein lächelnd
Mitleid, wenn er derer gedenkt, die drunten in der Tiefe Ziegel
und Sand zum Bau neuer babyloniſcher Türme beiſchleppen,
und er ſtimmt ein in jenes rechtſchaffene Jauchzen, von dem
die Hirten ſagen, daß es vor Gott gelte wie ein Vaterunſer.
Die Sonne ſtund über dem Kronberg und neigte ſich zum
Untergang und ſprühte ein glühgolden Feuer an Himmel und
ſchoß luſtig ihre Strahlen in den Nebel über dem Bodenſee.
Itzt riß die weiße Umhüllung, in leiſer ahnungsvoller Bläue
lag der Unterſee vor Ekkehards Blick; ſein Auge ſchärfte ſich
am Glanz des Abends, er ſah einen verſchwindenden dunkeln
Punkt, das war die Reichenau, er ſah einen Berg, kaum hob
er ſich am Himmelsgrund, aber er kannte ihn — es war der
hohe Twiel.
Und der Kuhreigen tönte ins Herdengeläut, und wärmer
und wärmer färbte ſich alles auf der Alp, goldbraungrün leuch⸗
teten die Matten, leiſer Abglanz der Röte warf ſich auf die
grauen Kalkſteinwände des Kamor, da hub ſich auch in Ekke⸗
hards Seele ein Leuchten und Glänzen, — die Gedanken flo⸗
gen hinüber ins ferne Hegau und weiter, es war ihm, als ſäße
er wieder bei Frau Hadwig auf dem Hohenſtoffeln wie damals,


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