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Auf der Ebenalp. 381
mächtigen Einſamkeit gegenüber in leiſen Tönen auszuſprechen,
was ihm im Herzen lebte, und die Muſica war ein guter
Verbündeter dem Werke der Dichtung; das Waltharilied, das
erſt wie ferner Nebel ihm vorgeſchwebt, verdichtete ſich und
nahm Geſtaltung an und zog in lebendurchatmeten Bildern an
ihm vorüber; er ſchloß die Angen, um beſſer zu ſehen: da ſah
er die Hunnen anreiten, ein reiſig fröhlich Reitervolk und
minder abſcheulich als die, gegen die er ſelber vor wenig Mo⸗
naten in der Feldſchlacht geſtanden, und ſie nahmen die Königs⸗
kinder in Franken und Aquitanien als Geiſeln mit und jung
Hiltgund, die Wonne von Burgund — und wie er ſtärker die
Saiten anſchlug, da erſchaute er auch den König Etzel, der war
ein leidlich Menſchenbild, zu Glimpf und Becherfreuden wohl
aufgelegt, — und die Königskinder wuchſen an der Hunnen
Hofburg auf, und wie ſie groß geworden, kam ein ſtilles Hei⸗
matſehnen über ſie, und ſie gedachten, daß ſie von alters einand
verlobt — jetzt hub ſich ein Klingen und Drommeten, die Hun⸗
nen ſaßen beim Bankett, und König Etzel trank den großen
Humpen, und alle folgten ſeinem Vorbild, Schlummer trunkener
Männer tönte durch die Hallen — jetzt ſah er, wie im Mond⸗
ſchein der junge Aquitaner Held das Streitroß waffnete, und
Hildegunde kam und brachte den hunniſchen Goldſchatz, er hub
ſie in Sattel — hei! wie prächtig entritten ſie der Gefangen⸗
ſchaft ...
Und fern und ferner wogte es noch wie Fährlichkeit und
Flucht und Fahrt über den Rhein und ſchwerer Kampf mit
dem habſüchtigen König Gunther: In großen markigen Zügen
ſtund die Geſchichte vor ihm, die er in ſchlichtem Heldengeſang
zu verherrlichen gedachte. Noch in derſelbigen Nacht blieb Ek⸗
kehard beim Kienſpanlicht ſitzen und begann ſein Werk, und eine
Freude kam über ihn, wie die Geſtalten unter ſeiner Hand
Leben annahmen, eine ehrliche große Freude, denn in fröhlicher
Arbeit der Dichtung erhebt ſich der Menſch zur Tat des Schöp⸗
fers, der eine Welt aus dem Nichts hervorgerufen.
Der nächſte Tag fand ihn vergnüglich über den erſten Aben⸗
teuern, er konnte ſich ſelber nicht Rechenſchaft geben, nach wel⸗
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