Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 387
(PDF, 52 MB)
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Das Waltharilied. 387

Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Das Waltharilied ²79).

Dos war der König Etzel im fröhlichen Hunnenreich,
Der ließ das Heerhorn blaſen: „Ihr Mannen, rüſtet euch!
Wohlauf zu Roß, zu Felde, nach Franken geht der Zug,
Wir machen zu Worms am Rheine uneingeladen Beſuch!“

Der Frankenkönig Gibich ſaß dort auf hohem Thron,
Sein Herze wollt ſich freuen, ihm war geboren ein Sohn;
Da kam unfrohe Kunde gerauſcht an Gibichs Ohr:
Es wälzt ein Schwarm von Feinden ſich von der Donau vor,
Es ſteht auf fränkiſcher Erde der Hunnen reiſig Heer,
Zahllos wie Stern' am Himmel, zahllos wie Sand am Meer.

Da blaßten Gibichs Wangen. Die Seinen rief er bei
Und pflog mit ihnen Rates, was zu beginnen ſei.
Da ſtimmten all die Mannen: Ein Bündnis nur uns frommt,
Wir müſſen Handſchlag zollen dem Hunnen, wenn er kommt;
Wir müſſen Geiſeln ſtellen und zahlen den Königszins,
Deß freuen wir noch immer uns größeren Gewinns,
Als daß, ungleiche Kämpfer, wir Land zugleich und Leben
Und Weib und Kind und alles dem Feind zu Handen geben.
Des Königs Söhnlein Gunther war noch zu ſchwach und klein,
Noch lag's an Mutterbrüſten, das mocht nicht Geiſel ſein;
Doch war des Königs Vetter, Herr Hagen hochgemut
Von Trojer Heldenſtamme, ein adlig junges Blut.
Sie richteten viel Schätze und faſſen drauf den Schluß,
Daß der als Pfand des Friedens zu Etzel ziehen muß.

ur Zeit, als dies geſchah, da trug mit feſter Hand
Den Zepter König Herrich in der Burgunden Land.
Ihm wuchs die einzige Tochter, benamſt jung Hildegund.
Die war der Mägdlein ſchönſtes im weiten Reich Burgund.
Die ſollt als Erbin einſt, dem Volk zu Nutz und Segen,
So Gott es fügen wollt, der alten Herrſchaft pflegen.

Derweil nun mit den Franken der Friede gefeſtigt war,
So rückt' auf Herrichs Grenzmark der Hunnen kampfliche Schar.
Voraus mit flinkem Zügel lenkt' König Etzel ſein Roß,
Ihm folgt' in gleichem Schritte der Heeresfürſten Troß.

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