Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 388
(PDF, 52 MB)
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388 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Von Roſſeshuf zerſtampft die Erde gab ſeufzenden Schall,
Die zage Luft durchtönte Schildklirren als Widerhall.
Im Blachfeld funkelte ein eherner Lanzenwald,
Wie wenn die Frührotſonne auf tauige Wieſen ſtrahlt,
Und ſo ein Berg ſich türmte: er wurde überklommen,
Die Saone und die Rhone: es wurde durchgeſchwommen.

Zu Chalons ſaß Fürſt Herrich, da rief der Wächter vom Turm:
Ich ſeh' von Staub eine Wolke, die Wolke kündet Sturm,
Feind iſt ins Land gebrochen, ihr Leute, ſeht euch vor!
Und wem ein Haus zu eigen, der ſchließe Tür und Tor!

Der Franken Unterwerfung, dem Fürſten war ſie kund;
Er rief die Lehenträger und ſprach mit weiſem Mund:
Die Franken, niemand zweifelt's, ſind tapfre Kriegesleute,
Doch mochte keiner dort dem Hunnen ſtehn zum Streite,
Und wenn die alſo taten, da werden wir allein
Dem Tode uns zu opfern auch nicht die Narren ſein.
Ich hab' ein einzig Kind nur, doch für das Vaterland
Geb' ich es hin, es werde des Friedens Unterpfand.

Da gingen die Geſandten, barhäuptig, ohne Schwert,
Den Hunnen zu entbieten, was Herrich ſie gelehrt.
Höflich empfing ſie Etzel, es war das ſo ſein Brauch,
Sprach: Mehr als Krieg taugt Bündnis, das lag ich ſelber
auch,
Auch ich bin Mann des Friedens, nur wer ſich meiner Macht
Töricht entgegenſtemmt, dem wird der Garaus gemacht.
Drum eures Königs Bitte gewähret Etzel gern.
Da gingen die Geſandten, es kündend ihrem Herrn.
Dem Tor entſchritt Fürſt Herrich, viel köſtliches Geſtein
Bracht' er den Hunnen dar, dazu die Tochter ſein —
Der Friede ward beſchworen, — fahr wohl, ſchön Hildegund!
So zog in die Verbannung die Perle von Burgund.

Wie dort Vertrag und Bündnis geordnet war zum beſten,
Entführte König Etzel ſein reiſig Volk gen Weſten.
Im Land der Aquitanen herrſcht Alpher, der ſtrenge Mann,
Dem wuchs ein Sohn Walthari im Jugendſchmuck heran.
Herrich und Alpher hatten ſich manch einen Boten geſchickt
Und ſich mit feierlichem Eidſchwur einand verſtrickt:


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