Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 389
(PDF, 52 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0153
Das Waltharilied. 389

Sobald die Zeit des Freiens dereinſt ſich ſtellet ein,
So ſollen unſre Kinder ein fröhlich Brautpaar ſein.

Betrübt ſaß König Alpher itzt bei der Hunnen Not:
O weh mir, daß ich Alter nicht finde Schwertes Tod —
Ein ſchlechtes Beiſpiel gaben Burgund und Frankenland,
Itzt muß ich gleiches tun, und iſt doch eine Schand'.
Ich muß Geſandte ſchicken und Friede heiſchen und Bund,
Und muß den eignen Sproſſen als Geiſel ſtellen zur Stund.

So ſprach der ſtrenge Alpher, und alſo ward's getan,
Mit Gold belaſtet, traten die Hunnen den Rückzug an,
Sie führten Walthari und Hiltgund und Hagen in ſichrer Hut
Und grüßten wildfroh jauchzend die heimiſche Donauflut.

Nachdem nun König Etzel der Heimat ſich erfreut,
Pflegt er die fremden Kinde mit großer Biederkeit,
Wie ſeine eignen Erben ließ er ſie auferziehn,
Die Jungfrau anempfahl er der Königin Ospirin.
Die jungen Recken aber behielt er ſcharf im Auge,
Daß jeder zu des Krieges und Friedens Künſten tauge.
Die wuchſen auch an Jahren und Weisheit wohl heran,
Ihr Arm bezwang den ſtärkſten, ihr Witz den witzigſten Mann.
Derwegen liebt' der König die beiden Knaben ſehr
Und ſchuf ſie zu den erſten in ſeiner Hunnen Heer.
Es ward mit Gottes Beiſtand auch die gefangene Maid
Der trutzigen Hunnenfürſtin ein' wahre Augenweid,
An Tugend reich und Züchten, ſo ward Hiltgund zuletzt
Als Schaffnerin dem Schatze der Hofburg vorgeſetzt,
Und wenig fehlte nur, ſo war ſie in dem Reich
Die höchſte — was ſie wünſchte, erfüllt wards allſogleich.

Derweil ſtarb König Gibich, ihm folgte Gunther, ſein Sohn,
Der brach das Hunnenbündnis und weigert den Zins mit
ohn,
Die Kunde kam geflogen zu Hagen in der Fern',
Da nahm er nächtlich Reißaus und floh zu ſeinem Herrn.
Am Tag, da er verſchwunden, erfreute ſich nur wenig
Frau Ospirin, und liſtig ſprach ſie zu Etzel, dem König:
O königliche Weisheit, habt Acht, habt ſcharfe Acht,
Daß unſres Reiches Säule zu Fall nicht werde gebracht,


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0153