Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 390
(PDF, 52 MB)
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390 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Ich fürchte, auch Walthari, der Hunnen beſter Held,
Sucht wie der ſchlaue Hagen, ſein Freund, das weite Feld.
Ihr müßt ihn ſeßhaft machen durch ſüße Bande und Haft,
Ihr müßt mit ſolchen Worten bereden Waltharis Kraft:
Du trugſt in unſerm Dienſte viel Müh und Fährlichkeit,
Drum merk', wie dein Gebieter huldvollen Dank dir beut,
Der Hunnentöchter beſte ſollt du zum Weib erkieſen
Und reich an Land und Ehren verdienter Ruh' genießen.
Und was du gehrſt an Gute, umſonſt nicht ſei dein Bitten,
Gewährt ſei volles Maß dir, du haſt es wohl erſtritten.

Das Wort gefiel dem König, es däucht' ihm fein und ſchlau,
Es weiß in derlei Dingen das Weiſeſte ſtets die Frau.

Der König jung Walthari mit ſolchem Rat empfing,
Doch deſſen Dichten auf ganz andre Dinge ging,
Er merkte, daß ihm Etzel die Wege wollt' verlegen,
Drum kam dem Prüfenden ablenkend er entgegen:

O Fürſt, was ich getan, iſt großen Ruhmes ledig,
Daß Ihr ſo hoch es anſchlagt, iſt huldvoll zwar und gnädig,
Doch muß ein Weib ich wählen nach Eurem Machtgebot,
Werd' ich umſtrickt von Sorge und ſüßer Minne Not.
Da muß ein Haus ich zimmern und muß den Acker bau'n,
Ich kann des Herren Auge nur ſelten wiederſchau'n.
Und wer der Lieb' gekoſtet, dem fehlet Kraft und Stärke,
Mit Freuden obzuliegen dem edlen Kriegsgewerke.
Nichts Süßeres auf Erden, als hold gewärtig und treu
Dem Dienſtherrn überall folgen, drum bitt' ich, laßt mich frei.
So Ihr am ſpäten Abend, ſo Ihr in Mitternächten
Befehl ſchickt, bin ich willig, wo Ihr nur wollt, zu fechten.
Mir ſoll im Schlachtenwetter nicht Sorg' um Kind und Weib
Die Blicke rückwärts wenden und lähmen meinen Leib.
Bei Eurem Leben fleh ich, bei Eurem tapfern Land:
Laßt mir die Hochzeitfackel, o König, ungebrannt.

Da weichte Etzels Herze, das Wort behagt' ihm ſehr,
Er ſprach getroſt: Walthari entfleucht mir nimmermehr.

nzwiſchen hatte ſich ein fernes Volk empört,
J Da ward des Schwertes Schneide gen dieſen Feind gekehrt,
Da wurde jung Walthari zum Feldhauptmann gemacht,


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