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Das Waltharilied. 391
Und dauerte nicht lange, ſo ſchlugen ſie die Schlacht.
Vorwärts drang ihre Heerſchar als wie ein ſpitzer Keil,
Es zitterten die Lüfte von wildem Schlachtgeheul.
Hellauf klang die Drommete, die Speere flogen wild,
Aufleuchtet's wie ein Blitzſtrahl von manch geſpaltnem Schild,
Und wie bei Nordſturms Sauſen ein dichter Hagel fällt,
So ward zahlloſer Pfeilſchwarm herüber hinüber geſchnellt.
Dann ging's zum Handgemeng, gezogen ward das Schwert,
Da lag zerſpellten Hauptes manch ein gewappnet Pferd,
Da lag zerſpellten Hauptes beim Schild manch feſter Ritter.
Hei, wie das Feld durchmähſt du, Walthari, tapfrer Schnitter!
Als ſtünd' mit ſeiner Senſe der Tod leibhaft im Streit,
So ſchauten ihn zag die Feinde bei ſeiner Blutarbeit.
Zur Linken und zur Rechten, wohin er ſich gewendet,
Hub ſich ein jähes Flüchten, ſo ward der Kampf geendet,
Dem Hunnenvolke war ruhmvoller Sieg bereitet
Und von erſchlagnem Feind manch preislich Stück erbeutet.
Drauf ließ der Führer blaſen zur Ruh vom Waffentanz,
Er ſchmückte ſeine Schläfe mit grünem Eichlaubkranz,
Und Fahnenträger und Mannſchaft, ſie taten all wie er,
So zog im Siegesſchmucke bekränzt nach Hauſe das Heer.
Jedweder ſuchte froh des Hauſes gaſtlich Dach,
Zu König Etzels Hofburg Walthari ſchritt gemach.
Sieh da, wie eilig rannten die Diener aus dem Schloß,
Sie labten ſich des Anblicks und hielten ihm das Roß;
Derweil aus hohem Sattel Walthari niederſtieg,
So frugen ſie neugierig: Gewannen wir den Sieg?
Er warf juſt für die Neugier ein mäßig Bröcklein hin
Und ging zum Königsſaale, gar müd war ihm zu Sinn.
Hiltgund traf er alleine, da küßt' er ſie und ſprach:
Beſchaff' mir einen Trunk, das war ein heißer Tag.
Da füllte ſie den Becher, er trank den Firnewein
Jach wie den Waſſertropfen einſaugt der glühe Stein,
Dann ſchloß er in die ſeine der Jungfrau weiße Hand,
Beid' wußten, daß von alters verlobt ſie ſeien einand.
Errötend ſtand und ſchwieg ſie. Da ſprach er zu der Maid:
Schon lange tragen wir der Fremde herbes Leid
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