Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 401
(PDF, 52 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0165
Das Waltharilied. 401

Ich will ums Wegrecht markten: Zweihundert Spangen wohlan
Biet' ich jetzt deinem König. Vernimm's und zeig's ihm an!

Du ſollſt noch mehr uns bieten! rief Camelo in Wut,
Des Redens bin ich ſatt. Itzt gilt's dein Gut und Blut.
Er deckte ſeinen Arm mit dem dreifältigen Schild
Und raffte ſeinen Speer und ſchüttelte ihn wild
Und zielte genau und warf. Ihm bog Walthari aus,
Er fuhr in grünen Raſen mit ſchneidigem Geſaus.

Wohlan denn! rief Walthari, — es ſei, wie's euch gefällt!
Und ſeine dunkle Lanze ſchoß der junge Held.
Die fuhr zur linken Seite durch den Schildesrand
Und nagelt' an die Hüfte Camelos rechte Hand
Und drang dem Gaul in Rücken — ausſchlagend bäumt ſich der
Und hätt ihn abgeſchüttelt, doch feſt hielt ihn der Speer.
Indes ließ Camelo den Schild zu Boden ſinken,
Und ſtrebte ſich des Speeres zu ledigen mit der Linken.
Doch jener ſtürzt' heran und ſtemmt den Fuß und tief
Stieß er ihm in den Leib das Schlachtſchwert bis zum Griff.
Zog's dann zuſamt der Lanze aus der Todeswunde,
— Da ſanken Roß und Reiter wohl in derſelben Stunde.

Se mußt' ins grüne Gras Herr Camelo dort beißen.
Ihn ſah ſein Neffe Kimo, auch Scaramund geheißen.
Ha! das traf mich! ſo rief er, zurück, ihr andern all',
Jetzt ſterb' ich oder ſühne des teuern Blutsfreunds Fall.
Weinend ſprang er hinauf, der Weg war hohl und enge,
Daß ihm kein andrer konnt' beiſtehn im Handgemenge,
Er knirſchte mit den Zähnen: Nicht will ich Schatz und Gut,
Ich komme als ein Rächer für meines Oheims Blut.
Zwei Speere ſchwang er hoch, am Helm die Mähne zittert;
Doch feſt ſtand dort Walthari und ſagte unerſchüttert:
War ich des Kampfs Beginner, geb' ich mich gern verloren,
Es ſoll mich noch zur Stunde dein Lanzenwurf durchbohren!

Da warf in raſcher Folge die Lanzen Scaramund,
Die eine traf den Schild nur, die andre flog in Grund.
Dann mit gezucktem Schwerte ritt er Walthari an,
Doch bracht' er's nicht zuwege, die Stirn ihm durchzuſchla'n.
Der Hieb ſaß auf dem Helme, das dröhnte und das klang,
Scheffel. V/VI. 26


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0165