Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 402
(PDF, 52 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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402 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Und Feuerfunken ſprühten den dunkeln Wald entlang.
Jetzt fuhr ihm wie ein Blitz Waltharis Speer in Hals
Und hob ihn aus dem Sattel, da fiel er dumpfen Falls.
Nichts half ihm mehr die Bitte, ſein Haupt hieb jener ab,
So ſank bei ſeinem Ohme der Neffe früh ins Grab.

Vorwärts! rief König Gunther, und laßt ihm keinen Frieden,
Bis daß wir Schatz und Leben geraubt dem Kampfesmüden.
Da kam als dritter Kämpe Werinhard gezogen,
Des Speerwurfs ein Verächter trug er nur Pfeil und Bogen.
Er richtet' auf Walthari von Ferne manch Geſchoß,
Gedeckt vom rieſigen Schilde gab der ſich nirgends bloß,
Und eh' der Schütz ihm beikam, war ſchon ſein Köcher leer,
Deß zürnend ſtürmt er jetzo mit blankem Schwert einher:
Und ſind dir meine Pfeile zu luftig und zu leicht,
Paß auf, ob nicht mein Hieb dir vollgewichtig däucht!

Schon lange wart' ich, daß dem Kampf ſein Recht geſchehe,
Walthari rief's entgegen — und ſchleudert aus der Nähe
Den Speer. Der traf das Roß. Hufſchlagend bäumt ſich's auf,
Warf in den Staub den Reiter und ſtürzte oben drauf.
Dem Fallenden entriß der Held ſein Schwert in Haſt,
Löſt ihm den Helm — am blonden Gelock er ſtark ihn faäßt':
Zu ſpät kommt itzt dein Jammern, den Bitten bin ich taub!
Und abgeſchlagnen Hauptes lag Werinhard im Staub.

Deei Leichen lagen ſchon. Des Streitens noch nicht müd,
Entſandt' als vierten Kämpen Gunther den Ekkefried.
Der hatt' im Sachſenlande den Herzog einſt erſchlagen
Und der Verbannung Leid am Frankenhof getragen.
Der trabte ſtolz einher auf rötlichbraunem Schecken,
Den kampfbereiten Mann tat er erſt ſpöttiſch necken:
Biſt du gefeſtet, Unhold? trügſt du durch Luft und Wind?
Biſt ein Waldteufel du? biſt du ein Menſchenkind? —
Hohnlachend rief Walthari: Ich kenne ſolches welſchen,
Ihr ſeid das rechte Volk zum trügen und zum fälſchen —
Heran denn! Deinen Sachſen ſollſt du erzählen bald,
Was du dereinſt für Teufel erſchaut im Waſichenwald!


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