Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 403
(PDF, 52 MB)
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Das Waltharilied. 403

Wir wollen es erproben, ſprach Ekkefried, und ſcharf L
Schwang er die Eiſenlanze am Riemen, holt' aus und warf,
Doch ſie zerbrach am Schilde, der Schild war allzuhart,
Zurück warf ſie Walthari und lachte in den Bart:
Schau an, wie dir der Waldgeiſt heimgibt, was du geſchenkt,
Sie mag wohl tiefer fahren, wenn meine Fauſt ſie lenkt.
Geſpalten von dem Wurf des Schildes Stierhaut klafft',
Der Rock zerriß — es fuhr tief in die Lunge der Schaft,
Todwund ſank Ekkefried, ein Blutſtrom ſich ergoß,
Als Beute nahm Walthari mit ſich des Toten Roß.

Der fünfte Kämpe war Hadwart. Er ließ zurück
Den Speer und hofft' allein vom ſcharfen Schwert ſein
ück.

Erſt ſprach er zu dem König: So ich den Sieg gewinne,
Belaß des Feindes Schild mir, nach dieſem ſteht mein Sinne.
Zu Roſſe drang er vor, doch ſeinen Pfad verſperrten
Die Leichen der Erſchlagenen. Da ſprang er zu der Erden.
Deß lobt Walthari ihn. Doch Hadwart rief und ſchalt:
Du liegſt wie eine Natter im Kreis zuſammengeballt
Und denkſt, o ſchlaue Schlange, Pfeil und Geſchoß zu meiden —
Deß ſollt von meiner Rechten du herbe Schläge leiden.
Den ſchönbemalten Schild leg ab itzt unverweilt,
Als Kampfpreis iſt er mir vom König zugeteilt,
Er ſoll nicht Schaden nehmen, gar wohl gefällt er mir.
Und wollt' ſich's anders wenden, und unterläg' ich dir:
Dort ſtehen die Genoſſen, du friſteſt nicht dein Leben,
Und wollt'ſt du auch als Vogel befiedert uns entſchweben.

Furchtlos ſprach da Walthari: Den Schild den laß ich nicht!
Dem bin ich als ein Schuldner zu großem Dank verpflicht't.
Der ſchirmte mich vor'm Feinde gar oft in heißen Tagen,
Die Wunden, die mir galten, ließ er ſich willig ſchlagen;
Du ſollt noch heut erkennen, wie nützlich dieſer mir,
So ich den Schild nicht hätte, ich ſtünde nimmer hier.
Drauf Hadwart: Unfreiwillig ſollt du ihn balde miſſen
Und Roß und Gold und Jungfrau in unſern Handen wiſſen.
Noch einmal rat' ich dir: leg' ab, leg' ab die Laſt,
Die du ſo weiten Weges bis heut getragen haſt.
J 26 *


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