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404 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Sprach's und vom Leder zog er. Das war ein Fechten ſchwer,
Er kämpfte mit dem Schwerte, Walthari mit dem Speer,
Im Waſichenwalde nimmer ſolche Blitze ſprühten,
Staunend ſahn die Franken auf den Nimmermüden.
Das hat von Helm und Schilden geklungen und gegellt,
Wie wenn mit ſcharfem Beile ein Mann die Eiche fällt.
Aufſprang der Wormſer Kämpe und ſchwand des Schwertes
neide,
Auf daß mit einem Hieb der Zweikampf ſich entſcheide.
Walthari fing den Streich und zwang ihm aus der Fauſt
Die Klinge, daß ſie weit ſeitab ins Buſchwerk ſauſt.
Dahin floh Hadawart. Doch Alphers Sohn, der ſchnelle,
Ihm nach: Wo fleuchſt du hin? da, nimm den Schild, Geſelle!
Sprach's und mit beiden Händen hob er den Speer und ſtach,
Da ging der Kampf zu Ende. Der ſank mit dumpfem Krach,
Ihm ſetzte auf den Nacken den Fuß Walthari und dann
Spießt' an den Boden er zuſamt dem Schilde den Mann.
ls ſechſter in den Kampf ging jetzo Patafried,
Des Hagen Schweſterſohn. Wie den ſein Oheim ſieht,
Gedachte er mit Bitten zu wenden ihm den Sinn:
Schau, wie der Tod dich anlacht! laß ab, wo eilſt du hin?
Laß ab, laß ab, o Neffe, dich täuſcht dein Jugendmut,
Zu zwingen den Walthari, braucht's andere Kraft und Glut.
Des Zuſpruchs ungerührt, der Jüngling ging von hinnen,
Sein einzig Trachten war, ſich Ehre zu gewinnen.
Bekümmert ſaß drum Hagen und ſeufzte tief und grollte:
O nimmerſatte Habgier, o ſchnöder Durſt nach Golde,
O ſchlänge doch die Hölle das güldne Erz in Rachen,
Und gäb' es ſtatt den Menſchen zur Hut den alten Drachen!
Niemand hat mehr genug. Sie ſchaffen und ſie ſcharren
Sich täglich mehr zuſammen und ſind doch arme Narren!
Wie reiteſt in den Tod auch du, mein Neffe, ſo blind!
Was ſoll ich deiner Mutter für Kunde bringen vom Kind?
Und was dem jungen Weibe, das traurig deiner harrt,
Dem noch zu ſchwachem Troſte der erſte Sproß nicht ward?
Sprach's, und die Träne rollt ihm langſam in Schoß hinab:
Fahr' wohl auf lange! ſeufzt' er, fahr wohl, du ſchöner Knab!
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