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Das Waltharilied. L 405
Aus weiter Fern' Walthari des Freundes Klage vernahm,
Gerührt ſprach er zum Kämpen, der itzt geſtürmet kam:
Steh' ab, mein tapfrer Junge, ich mag dir's redlich raten,
Aufſpare deine Kraft zu anderweiten Taten.
Schau auf! hier liegt erſchlagen manch ein gewalt'ger Held,
Ich müßte Leides tragen, wenn du dich beigeſellt.
Was kümmert dich mein Sterben? rief jener, ſteh' und ficht'!
Zum Streit bin ich gekommen, zu loſem Schwatzen nicht.
Und mit dem Worte flog auch die knorrige Lanze einher,
Zur Seite ſchlug Walthari ſie mit dem eignen Speer;
Von Wurfs Gewalt getragen und von des Windes Kraft
Flog bis zur Felſenhöhle zu Hiltgunds Füßen der Schaft.
Aufſchrie vor Furcht die Jungfrau; dann aus der Felſenſpalte
Lugt' ſie fürſichtig, ob Walthari noch ſich halte.
Noch einmal warnte dieſer den ungeſtümen Mann,
Doch er, bedachtlos wütend, ſtürmt' mit dem Schwerte an.
Da ſchirmte ſich Walthari und ſchwieg, doch mocht ſein Schwei⸗
Dem Zähneknirſchen des gehetzten Keulers gleichen. [gen,
Zu mächtigem Schwertſtreich holte Patafried itzt aus,
Da duckte ſich Walthari ins Knie und bog ihm aus,
Daß ihn des leeren Streiches Wucht zu Boden riß.
Auf ſprang der Held mit Macht. Da war der Sieg gewiß.
Zwar wollt' zu neuem Fechten auch Patafried ſich heben,
Umſonſt. In Bauch getroffen, ließ er das ſüße Leben.
Die Seele flog von dannen, es ward ſein junger Leib
Dem wilden Waldgetiere ein Fraß und Zeitvertreib.
Des Toten Fall zu rächen, kam Gerwig itzt geſprengt,
Er ſprengte über die Leichen, die dort den Steg geengt!
Derweil des Toten Haupt vom Rumpf Walthari fällt,
Warf er die doppelſchneidige Streitaxt nach dem Held,
— Die war in jenen Zeiten der Franken liebſt Gewaffen. —
Schnell hob den Schild Walthari, ſich Deckung zu verſchaffen,
Rückſpringend nach der Lanze an ſich die teure riß er,
Die blutige Schwertesklinge ins grüne Riedgras ſtieß er
Und ſtellte ſich dem Angriff. Da fiel kein unnütz Wort,
So grimmig nach dem Kampfe lechzten die beiden dort.
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