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406 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Der focht den Freund zu rächen, der ſchirmte Leib und Leben,
Viel ſchwere Hiebe wurden gehau'n und rückgegeben.
Waltharis Speer war länger, doch tummelte ſein Pferd
Der Franke rings im Kreis, daß jener müde werd'.
Zuletzt erſah Walthari, daß er den Schild ihm hob,
Durch Gerwigs Weichen itzt das grimme Eiſen ſchnob.
Hinſank er auf den Rücken, ein Schrei entfuhr dem Mund,
Des Todes unfroh, ſtampfte er den durchfurchten Grund.
Auch dieſem tät der Held das Haupt vom Rumpfe löſen.
— Er war ein ſtolzer Graf im Wormſer Gau geweſen.
N un ſtutzten erſt die Franken und baten ihren Herrn,
Vom Streite abzuſtehen. Doch dem war Gunther fern.
He! zürnte er, ihr tapfre, ihr vielerprobte Seelen,
Schafft euch das Unglück Furcht, anſtatt zum Zorn zu ſtählen?
Soll aus dem Waſichenwalde ich ſo mich werfen laſſen
Und als geſchlagner Mann durchziehn die Wormſer Gaſſen?
Erſt wollt' ich jenen Fremden des Goldes ſehn verlurſtig,
Jetzt dürſt' ich ſeines Blutes. Und ihr, ſeid ihr nicht durſtig?
Den Tod ſühnt nur der Tod. Blut heiſchet wieder Blut.
Er ſprach's, da wurden alle entflammt zu neuem Mut.
Als ging's zu luſt'gem Spiele, zu Wettkampf und Turnei'n,
So wollte jetzt ein jeder im Tod der erſte ſein.
Den Felspfad aufwärts ritten ſie nacheinand im Trab,
Indeſſen nahm Walthari den Helm vom Haupte ab
Und hing ihn an den Baum. Den würz'gen Waldesduft
Sog er mit vollen Zügen und kühlt' ſich an der Luft.
Da rannt auf ſchnellem Roſſe Herr Randolf jach heran.
Mit ſchwerer Eiſenſtange ſtürmt' er Walthari an
Und hätt' ihn ſchier durchbohrt. Doch auf der Bruſt zum Glück
Trug er ein ſchwer Geſchmeide, Schmied Welands Meiſterſtück.
Leicht faßte ſich der Held und hielt den Schild bereit,
Den Helm ſich aufzuſetzen hatt' er nimmer Zeit.
Schon ſauſte Randolfs Klinge um Waltharis Ohren,
Da wurden dem Barhäupt'gen zwei Locken abgeſchoren.
Doch unverwundet blieb er. Es fuhr der zweite Hhieb
So mächtig in den Schildrand, daß er drin ſtecken blieb.
Dem Blitz gleich ſprang Walthari zurück und wieder vor,
Und riß ihn von dem Gaule, daß er das Schwert verlor,
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