Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 412
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0176
412 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Er ſelber führt den Gaul, der ihm den Goldſchrein trug,
Und ſchloß in Wehr und Waffen als Hüter den reiſigen Zug.

Sie hatten tauſend Schritte etwann zurückgelegt,
Da ſchaute Hiltgund um, ſie war vor Furcht bewegt,
Da ſchaute ſie vom Hügel herab zwei Männer eilen,
Die ritten ſcharfen Weges und mochten nicht verweilen.
Und zu Walthari rief die Jungfrau ſchreckensbleich:
Das Ende kommt, o Herr! Zur Flucht itzt ſputet Euch,
Walthari wandte ſich. Die Feinde nahm er wahr:
Ich will ins Antlitz mir beſchauen die Gefahr.
Und winkt mir auch der Tod: viel beſſer iſt's zu ſtreiten,
Als Hab und Guts verlurſtig einſam von dannen reiten.
Du, Hiltgund, nimm die Zügel und treib das Goldroß fort,
Der dichte Hain dort drüben beut ſichern Zufluchtort.
Ich will am Bergeshang mir einen Stand erkieſen
Und harren, wer da kommt, und ritterlich ſie grüßen.

Die Jungfrau tat ſofort, wie ſie Walthari hieß.
Der machte unbefangen zurecht itzt Schild und Spieß
Und ritt des Weges weiter als wie ein fremder Mann.
Da ſchrie ihn ſchon von ferne der König Gunther an:
Jetzt iſt dein Unterſchlupf benommen, grimmer Held,
Aus dem du zähneweiſend als wie ein Hund gebellt.
Heraus ins offne Feld, dein warten neue Streiche,
Noch ſteht zu proben, ob das End' dem Anfang gleiche.
Du weiſeſt ja Ergebung und Flucht ſo ſchnöd' zurück,
Laß ſehn, ob du auch heute um Lohn gedungen das Glück!

Verächtlich tät Walthari kein Wort dawider ſagen,
Als wär er taub geworden. Er wandte ſich an Hagen:
O Hagen, alter Freund, ſag an, was iſt geſchehn,
Daß alſo umgewandelt ich dich muß wiederſehn?
Der tränend einſt beim Abſchied in meinen Armen lag,
Verrennt gewaffnet mir den Weg an dieſem Tag?
Fürwahr ich dachte einſt, käm' heimwärts ich gegangen,
Du würdeſt grüßend mich mit offnem Arm umfangen
Und gaſtlich mich bewirten und pflegen mich in Freuden
Und reich beſchenkt den Freund ins Heimatland geleiten.
Ich zog auf fremden Wegen. Oft wollt' das Herz mir ſchlagen:


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