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414 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Sein abgeſchoſſner Speer lag vor Waltharis Füßen,
Den hätt' er heimlich gern zu ſich zurückgeriſſen —
Er winkte mit dem Aug', daß Hagen vorwärts dringe,
Und ſtieß zurück zur Scheide die goldgeſchmückte Klinge,
Da ward die Rechte frei zum Diebesgriff — und den Schaft
Hielt er ſchon feſtgepackt — und hätt' ihn auch errafft.
Doch auf den Hagen ſtürmte Walthari plötzlich her
Und trat mit ſtarkem Fuß auf den gegriffnen Speer.
Der Überraſchung ward der König ſehr erſchrocken,
Die Knie wankten ihm, ſein Atem wollte ſtocken,
Schon war der Tod ihm nah. Doch ſprang in ſchnellem Lauf
Ihm ſchirmend Hagen bei. Da ſtund er zitternd auf,
Es ward der bittre Kampf itzt ungeſäumt erneut,
Feſt ſtand Walthari noch, doch ungleich war der Streit, —
Er ſtand: ſo ſteht der Bär, gejagt von wilder Hatze,
Unwillig vor der Meute und droht mit ſcharfer Tatze
Und duckt das Haupt und knurrt. Weh dem, der an ihn ſchwirrt:
Er preßt ihn und umarmt ihn, bis er ſich nimmer rührt,
Scheu flieht der Rüden Schar mit heulendem Gebelle. —
So flutete die Schlacht ſchon auf der höchſten Welle,
Dreifache Not des Todes auf jeder Stirne ſtand:
Die Wut, die Laſt des Kampfes und glüher Sonnenbrand.
Gepreßten Herzens ſchaute bereits Walthari um,
Ob ſich kein Ausweg öffne. Zu Hagen rief er drum:
O Hagdorn, grün im Laub, du magſt ſo gern mich ſtechen
Und mir die Heldenkraft mit ſchlauen Sprüngen brechen,
So ſchwerer Mühe ſatt, will ich mit dir itzt ringen —
Und biſt du rieſenſtark, ich will dich näher bringen!
Er ſprach's und hochaufſpringend warf er die Lanze keck,
Sie traf und riß ein Stück ihm von der Rüſtung weg
Und ſtreifte ſeine Haut, doch nur ein wenig, an,
Dieweil gar ſtarken Panzer ſich Hagen umgetan.
Walthari aber riß das Schwert aus ſeiner Scheide
Und ſtürmt' auf Gunther ein und ſchlug den Schild beiſeite —
So wunderſam gewalt'gen Schwertſchlag tat er behende,
Daß er ihm Bein und Schenkel ganz von der Hüfte trennte.
Halbtot auf ſeinem Schilde lag König Gunther da,
Selbſt Hagen wurde blaß, wie ſolchen Schlag er ſah.
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