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Das Waltharilied. 415⁵
Hoch ſchwang Walthari itzt die blutgefleckte Klinge,
Auf daß der wunde König den Todesſtreich empfinge,
Doch Hagen warf dem Hieb das eigne Haupt entgegen,
Da ſprühte von dem Helm hoch auf ein Funkenregen;
Der Helm war hart geſchmiedet. Drum brach da⸗ Schwert mit
lirren,
Durch Luft und Buſch und Gras zahlloſe Trümmer ſchwirren.
Walthari, wie ihm ſo die Klinge war zerſplittert,
Fuhr unwirſch auf, es ward ſein Herz von Zorn durchſchüttert,
Wegwarf verächtlich er den Griff — was ſollt' er nützen,
Ob er auch kunſtgefüget von Golde mocht' erblitzen?
Doch wie er unbedacht die Hand zum Wurf ausreckte,
Tat Hagen einen Hieb, der ſie zu Boden ſtreckte. L
Da lag die tapfre Rechte, ſo furchtbar manchem Land,
So ſiegespreisgeſchmückt — nun blutend in dem Sand.
Ob zwar ein linker Mann — Walthari war noch nicht
Der Kunſt des Fliehens kundig, ſtarr blieb ſein Angeſicht,
Er biß den Schmerz zuſamm' und in den Schild einſchob er
Den blut'gen Stumpf und ſchnell mit linker Fauſt erhob er
Das krumme Halbſchwert, das er einſt im Hunnenland
Als Notbehelf ſich um die rechte Hüfte band.
Das rächte ihn am Feind. Da ward dem grimmen Hagen
Sein rechtes Auge ganz aus dem Geſicht geſchlagen,
Zerſäbelt war die Stirn — die Lippen aufgeſchliſſen,
Dazu ſechs Backenzähne ihm aus dem Mund geriſſen.
So ward der Kampf geſchlichtet — wohl durften beide ruhn.
Laut mahnten Durſt und Wunden, die Waffen abzutun.
Da ſchieden hochgemut die Helden aus dem Streit,
An Kraft der Arme gleich und gleich an Tapferkeit.
Wahrzeichen ließ jedweder zurück von dem Gefechte,
Hier lag des Königs Fuß — dort lag Waltharis Rechte,
Dort zuckte Hagens Aug': ſo hob an jenem Platz
Sich jeder ſeinen Teil vom großen Hunnenſchatz.
Die beiden ſetzten ſich. Der dritte lag am Grunde.
Mit Blumen ſtillten ſie den Blutſtrom aus der Wunde.
Hiltgund, der zagen Maid, laut rief Walthari dann,
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