Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 416
(PDF, 52 MB)
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416 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Die kam und legte guten Verband den Recken an.
Walthari drauf befahl: Jetzt miſch uns einen Wein,
Wic haben ihn verdienet, er ſoll uns heilſam ſein.
Es ſei der erſte Trunk dem Hagen zugebracht,
Der war dem König treu und tapfer in der Schlacht.
Dann reich ihn mir, der ich das Schwerſte hab' erlitten,
Zuletzt mag Gunther trinken, der läſſig nur geſtritten.
Die Jungfrau folgt' dem Winke und bracht's dem Hagen dar.
Da ſprach der Held, wie ſehr er von Durſt gequält auch war:
Walthari, deinem Herrn, ſei erſt der Trunk gereicht,
Braver als ich und alle hat der ſich heut erzeigt!

Zwar müd, doch friſchen Geiſts ſaß itzt beim Wein geeint
Hagen, der Dornige, mit ſeinem alten Freund.
Nach Lärm und Kampfgetös, Schildklang und ſchweren Hieben
Zum Becher dort die zwei viel Scherz und Kurzweil trieben.

Zukünftig, ſprach der Franke, magſt du den Hirſch erjagen,
O Freund! und von dem Fell den Lederhandſchuh tragen,
Und ſo du dir mit Wolle ausſtopfeſt deine Rechte,
So meint noch mancher Mann, die Hand ſei eine echte.
O weh, auch mußt fortan du, allem Brauch entgegen,
Um deine rechte Hüfte das breite Schlachtſchwert legen,
Und will Hiltgunde einſt dir in die Arme ſinken,
So mußt du ſie verkehrt umarmen mit der Linken,
Und alles, was du tuſt, muß ſchief und linkiſch ſein.
Walthari ihm erwidert: O Einaug, halte ein!
Noch werd' ich manchen Hirſch als Linker niederſtrecken,
Doch dir wird nimmermehr des Ebers Braten ſchmecken.
Schon ſeh' ich queren Auges dich mit den Dienern ſchelten
Und tapfrer Helden Gruß mit ſcheelem Blick entgelten.
Doch alter Treu gedenkend, ſchöpf' ich dir guten Rat:
Biſt du der Heimat erſt und deinem Herd genaht,
Dann laß von Mehl und Milch den Kindleinbrei dir kochen,
Der ſchmeckt zahnloſem Mann und ſtärkt ihm ſeine Knochen.

So ward der alte Treubund erneut mit Glimpf und Scherz,
Dann trugen ſie den König, dem ſchuf die Wunde Schmerz,
Und hoben ſänftlich ihn aufs Roß und ritten aus;
Nach Worms die Franken zogen, Walthari ritt nach Haus.
Dort ward mit hohen Ehren begrüßt der junge Held,


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