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Ausklingen und Ende. 417
Und bald ward auch Hiltgunde dem Treuen anvermählt.
Nach ſeines Vaters Tod tät er der Herrſchaft pflegen
Und führte dreißig Jahr ſein Volk mit Glück und Segen;
Noch in manch ſchwerem Kampfe gewann er Sieg und Ruhm,
Doch ſtumpf iſt meine Feder, und billig ſchweig' ich drum.
Hochweiſer Leſer du, ſchenk' meinem Werke Gnade!
Wohl gleicht⸗mein rauher Reim dem Sang nur der Cikade,
Doch für das Höchſte iſt mein junger Sinn erglüht.
Gelobt ſei Jeſus Chriſt! — So ſchließt Waltharis Lied.
Fünfundzwanzigſtes Kapitel.
Ausklingen und Ende.
„So ſchließt Waltharis Lied.“ — Er hat brav geſungen,
unſer Einſiedel Ekkehard, und ſein Waltharilied iſt ein ehrwür⸗
dig Denkmal deutſchen Geiſtes, die erſte große Dichtung aus
dem Kreis heimiſcher Heldenſage, die trotz verzehrendem Roſte
der Zeit unverſehrt der Nachwelt erhalten ward. Freilich ſind
andere Töne darin angeſchlagen als in den goldverbrämten
Büchlein, die der epigoniſche Poet ausheckt, — der Geiſt großer
Heldenzeit weht drin, wild und faſt ſchaurig, wie Rauſchen des
Sturmes im Eichwald, es klingt und ſprüht von Schwerteshieb
und zerſpelltem Helm und Schildrand ein Erkleckliches und iſt
von minniglichem Flötenton ſo wenig zu verſpüren als von
angegeiſtetem Schwatzen über Gott und die Welt und ſonſt noch
einiges: rieſenhafter Kampf und rieſenhafter Spaß, altes Recken⸗
tum in ſeiner ſchlichtfürchterlichen Art, ehrliche fromme ſchwei⸗
gende Liebe und echter dreinſchlagender Haß, das waren Ekke⸗
hards Bauſteine; aber darum iſt ſein Werk auch geſund und
gewaltig worden und ſteht am Eingang der altdeutſchen Dich⸗
tung, groß und ehrenfeſt, wie einer jener erzgewappneten Rie⸗
ſen, die die bildende Kunſt ſpäterer Zeiten als Torhüter vor
der Paläſte Eingang zu ſtellen pflegt.
Und wen die Herbigkeit alter, oft ſchier heidniſcher Anſchau⸗
ung unlieblich anmuten möchte, gleich einem rauhen Luftzug
Scheffel. VIVI. 27
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