Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 418
(PDF, 52 MB)
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4¹ Fünfundzwanzigſtes Kapitel.

an den Dünen des Meers, draus der frackumhüllte Menſch Er⸗
kältung ſchöpft und ein Hüſtlein, der möge bedenken, daß einer
das Lied ſang, der ſelber in der Hunnenſchlacht gefochten, und
daß er's ſang, die Locken umſauſt vom Winde, der über die
Schneefelder des Säntis geſtrichen, viel hundert Klafter über
den Niederungen des Tales, die Wolfshaut zum Mantel, den
Felsblock der Höhle zum Schreibtiſch, die Bärin zum Zuhörer.
Es iſt ſchade, daß die neckenden Geiſter und Kobolde ſchon
lange ihr frohſames Handwerk eingeſtellt haben, ſonſt möcht'
es manch einem Schreibersmann unſerer Tage nicht ungedeih⸗
lich ſein, wenn ihn plötzlich unſichtbare Hände vom Mahago⸗
nitiſch hinwegtrügen auf die grünen Matten der Ebenalp; —
dort droben, wo der alte Mann in ſeiner Berggewaltigkeit dem
Poeten ins Konzept ſchaut, wo die Abgründe gähnen, der Don⸗
ner zwölffältig durch die Schluchten rollt, und der Lämmer⸗
geier in einſam ſtolzem Kreiſen dem Regenbogen zufliegt, dort
muß einer etwas Großes, Kerniges, Bärenmäßiges ſingen oder
reuig in die Kniee ſinken wie der verlorene Sohn und vor der
gewaltigen Natur bekennen, daß er geſündigt. — —
Unſere Erzählung neigt ſich zum Ende.
Es wär' ihr vielleicht ein Gefallen geſchehen, wenn Ekkehard
jetzt nach Vollendung ſeines Sanges eines ſänftlichen Todes
verblichen wäre: das hätte einen gar rührenden Schluß ge⸗
geben, wie er oben vor ſeiner Höhle geſeſſen, den Blick nach dem
Bodenſee, die Harfe an Fels gelehnt, die Pergamentrolle in der
Rechten, und das Herz wär' ihm gebrochen, und es hätt' ſich ein
ſchön Gleichnis daran geknüpft, wie der Sänger vom Lodern des
Geiſtes in ihm aufgezehrt ward und dahin ſtarb, gleich der
Kerze, die zu Aſche ſich verzehrt, eben da ſie Licht gewährt,
— aber den Gefallen erwies Ekkehard ſeinem Angedenken bei
der Nachwelt nicht.
Echte Dichtung macht den Menſchen friſch und geſund. Und
Ekkehards Wangen hatten ſich in währender Arbeit ſtrahlend
gerötet, und es war ihm ſo wohl geworden, daß er oftmals den
Arm ausreckte, als woll' er einen Wolf oder Bären mit einem
Schlag der Fauſt niederſchmettern. Wie aber ſein Walthari


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