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Ausklingen und Ende. 421
Helden Tod — er ſchrieb jetzo am letzten. Und dauerte nicht
lang, ſo tat er die Feder weg und trank einen langen tiefen
ernſten Schluck ungriſchen Weines aus dem ſpitzen Pokal.
Iſt's jetzt fertig? ſprach der eine Knabe.
Es iſt fertig! nickte der Schreibersmann, alles fertig, wie es
ſich hub und wie es kam und wie es ein bitter Ende nahm.
Er reichte ihm die Blätter, und jubelnd ſprangen die Knaben
zu ihrem Ohm, dem Biſchof Pilgerim, und wieſen ihm die
Schrift: Und du ſelber ſtehſt auch drin, teurer Oheim, riefen
ſie, „der Biſchof mit ſeiner Nichte ritt auf Paſſau an“ — zwei⸗
mal ſtehſt du drin und dreimal!
Und Pilgerim, der Biſchof, ſtrich ſeinen weißen Bart und
ſprach: Ihr dürft euch freuen, liebe Neffen, daß euch der Kon⸗
rad die Mär gebrieft, und wenn der Donauſtrom drei Tage und
drei Nächte mit Gold fließen wollte, ihr möchtet nichts Koſt⸗
bareres drin fiſchen, denn dieſen Sang; das iſt die größte Ge⸗
ſchichte, die auf der Welt je geſchah.
Der Schreibersmann aber ſtund mit verkläretem Antlitz unter
dem Rebgerank und Geißblattgewinde des Gartens und ſchaute
in die welken roten Blätter, die der Herbſt von den Zweigen ge⸗
ſchüttelt, und ſchaute hinab in die flutende Donau, und im rech⸗
ten Ohr hub ſich ihm ein helles Klingen, denn zu derſelbigen
Zeit hatte Ekkehard auf luftiger Alpenhöhe eine hölzerne Schale
mit Wein gefüllt und zum alten Senn geſprochen: Ich hab'
einſt einen guten Geſellen gehabt, einen beſſern findet man in
keines Herren Land, der hieß Konrad; und mit Frauenlieb und
Weltruhm iſt's nichts; aber der alten Freundſchaft bleib' ich zu
Dank verpflicht't bis in Tod, Ihr ſollt mit mir ſein Wohl
trinken, das iſt einer, der würde dem Säntis Freud' machen,
wenn er hier wäre! Und der Senn hatte die Schale geleert und
geſagt: Bergbruder, ich glaub's Euch. Er ſoll leben!
Darum erklang dem Mann in Paſſau ſein Ohr; er aber
wußte nicht warum. Und ſein Ohr klang noch, da kam der
Biſchof Pilgerim einhergewandelt, und hinter ihm brachte der
Stallmeiſter ein weiß Rößlein, das war altersſchwach und
ſchäbig, und wenn man ihm näher ins Geſicht ſchaute, war's
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