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422 Fünfundzwanzigſtes Kapitel.
auch am linken Aug' blind, und der Biſchof nickte mit ſeiner
ſpitzen Inful und ſprach gnädiglich: Meiſter Konrad, was Ihr
meinen Neffen zuliebe geſchrieben, ſollt Ihr nicht umſonſt ge⸗
ſchrieben haben, mein erprobtes Streitroß ſei Euer!
Da zuckte der Meiſter Konrad wehmütig lächelnd die feinen
Lippen und dachte: Es geſchieht mir ſchon recht, warum bin ich
ein Dichter worden! laut aber ſprach er: Gott lohn's Euch, Herr
Biſchof, Ihr werdet mir wohl ein paar Tage Urlaub ſchenken
zum Ausruhen von der Arbeit.
Und er ſtreichelte das alte weiße Rößlein und ſchwang ſich
darauf, ohne eine Antwort abzuwarten, und ſaß ſtolz und an⸗
mutsvoll im Sattel und brachte ſein demütig Tier noch zu einem
leidlichen Trab und ritt von dannen.
Ich will meinen beſten Stoßfalken gegen ein Paar Turtel⸗
tauben verloren geben, ſprach der ältere der Knaben, wenn er
nicht wiederum nach Bechelaren reitet zur Markgrafsburg. Er
hat immer geſagt: So gut ich meinen gnädigen Herrn, den Bi⸗
ſchof, ins Lied hereinſetze, kann ich auch der Frau Markgräfin
Gotelinde und ihrer ſchönen Tochter drin ein Denkmal aufrich⸗
ten; die danken mir's doch am feinſten!
Derweil war der Meiſter Konrad ſchon dem Tore der Bi⸗
ſchofspfalz entritten; er ſchaute ſehnſüchtig danauabwärts und
hub an mit heller Stimme zu ſingen:
Da ſprach unverhohlen derſelbe Fiedelmann:
O Markgraf, reicher Markgraf, Gott hat an Euch getan
Nach allen ſeinen Gnaden, hat er Euch doch gegeben
Ein Weib, ein ſo recht ſchönes, dazu ein wonniglich Leben.
Und wär' ich nun ein König, fing er wieder an,
Und ſollte Kronen tragen, zum Weibe nähm' ich dann
Eure ſchöne Tochter, die wünſchte ſich mein Mut,
Sie iſt ſo ſüß zu ſchauen, ſo minniglich ...
aber bei dieſen Worten wirbelte ihm eine Staubwolke entgegen,
daß ſeine Augen unfreiwillig in Tränen ſtanden und ſein Ge⸗
ſang verſtummte.
Die Strophen waren aus dem Werke, wofür ihn der Biſchof
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