Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 423
(PDF, 52 MB)
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Ausklingen und Ende. 423

ſoeben gelohnt; das war ein Heldenbuch in deutſcher Sprache
und hieß: der Nibelungen Lied! . 281)
— Mählich ging's in den Herbſt hinein. Und wenn der auch
abendlich ein glühender Rot an die Himmelswölbung malt als
andere Jahreszeit, ſo kommen doch kühle Lüfte in ſeinem Gefolg,
daß, wer feſtgeſiedelt auf den Alpen, ſich anſchickt, zu Tal zu
fahren, und kein Wolfspelz vor fröſtelndem Klappern der Zähne
ſchützt.
Friſcher Schnee glänzte auf allen Kuppen und gedachte für
dieſes Jahr nimmer zu zergehen. Ekkehard hielt den Sennen die
letzte Bergpredigt. Hernach ſtreifte Benedicta an ihm vorbei.
Jetzt iſt's aus mit unſerer Herrlichkeit da oben, ſprach ſie,
morgen zieht Menſch und Tier ins Winterfutter. Wo geht Ihr
hin, Bergbruder?
Die Frage fiel ihm ſchwer aufs Herz.
Ich bliebe am liebſten hier, ſprach er. Benedicta lachte hell
auf. Man merkt, ſagte ſie, daß Ihr noch keinen Winter oben
verſeſſen habt, ſonſt würd' es Euch nach keinem zweiten gelü⸗
ſten. Ich möcht' Euch wohl ſehen, eingeſchneit im Bruderhäus⸗
lein, und die Kälte ſchleicht durch alle Ritzen, daß Ihr zittert wie
ein Eſpenlaub, die Lawinen krachen rings umher, und die Eis⸗
zapfen wachſen Euch in Mund herein . .. Und wenn Ihr ein⸗
mal zu Tal wollet und etwas zu eſſen holen, da liegt der Schnee
haushoch auf dem Pfad, ein Schritt — und Ihr ſinkt bis ans
die Kapuze hervor, und man ſieht von der ſ chwarzen Kutte nicht
mehr als von einer Fliege, die in die Milchſuppe gefallen iſt...
Und dieſes Jahr hat's gar ſo viel Spiegelmeiſen gehabt, das
gibt einen ſtrengen Winter! Hu, wie freu ich mich auf die
langen Abende, da ſitzen wir beim Kienſpanlicht um den war⸗
men Ofen und ſpinnen Flachs, das Rädlein knurrt, das Feuer
brummt, und wir erzählen die ſchönſten Geſchichten, und wer
ein braver Bub iſt, darf zuhören. Es iſt ſchad, daß Ihr kein
Senn geworden ſeid, Bergbruder, ich würde Euch auch mitneh⸗
men zur Stubeten.
Es iſt ſchade, ſprach Ekkehard.


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