Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 424
(PDF, 52 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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4²⁴ Fünfundzwanzigſtes Kapitel.

Folgenden Tages ging's in feſtlichem Zuge talab. Der alte
Senn hatte ſein feinſtes Linnen angetan und ſah vergnügt drein
wie ein Patriarch; die rundliche Lederkappe auf dem Haupt,
den ſchönſten Melknapf über der linken Schulter ſchritt er vor⸗
aus und ſang den Kuhreigen jugendhell und tapfer, ihm folg⸗
ten Benedictas Ziegen, die Plänkler der großen Heerſchar, die
Hirtin mit ihnen, die letzten Alpenroſen mit ſchon vergilbten
Blättern ins dunkle Gelock geflochten. Jetzt kam die ſchwarz⸗
gefleckte große Suſanna, die Königin der Herde, als Zeichen des
Vorrangs die ſchwere Glocke um den Hals; ehrbar und ſtolz
war ihr Gang, und wenn eine der Nachfolgenden ihr vorauszu⸗
ſchreiten wagte ſo warf ſie ihr einen verächtlichen hornſtoßdro⸗
henden Blick zu, daß die Anmaßende erſchrocken zurückwich.
Schwerfällig ſchritten die anderen bergab: Ade, du ſchmackhaft
Alpengras, du fröhlich Wiederkäuen! dachte manch ein fett⸗
geworden Kühlein und knickte ſich im Vorbeiſtreifen noch die
letzten Blumen am Pfade.
Der Stier trug den einfüßigen Melkſtuhl zwiſchen den Hör⸗
nern, auf des Gewaltigen Rücken ſaß der Handbub verkehrt
und hielt die ausgeſtreckten Finger beider Hände an ſeine nicht
allzufein geformte Naſe und rief zu den Berggipfeln hinauf:
Der Sommer iſt gegangen und hat den Herbſt gebracht, jetzt
wünſchen wir einand eine gute, gute Nacht; ihr ſtille ſchneeige
Herren, lebt wohl itzt allerſeit, ich wünſch' euch wohl zu ſchla⸗
fen die ganze Winterszeit! Ein Schlitten mit der Sennhütte
Geſchirr und Ausrüſtung ſchloß den Zug.
Und Sennen und Herde und Ziegen verſchwanden im Tan⸗
nenwald, verhallend tönte Hirtenſang und Schellengeläut aus
der Ferne, dann ward's ſtill und einſam wie in jener Abend⸗
ſtunde, da Ekkehard zuerſt vor dem Kreuz des Wildkirchleins
gekniet war. Er trat in ſeine Klauſe. Es war ihm in ſeinem
ſtillen Bergleben klar geworden, daß die Einſamkeit nur eine
Schule fürs Leben iſt, nicht das Leben ſelbſt, und daß wertlos
verderben muß, wer in der grimmen Welt immerdar nur müßig
in ſich hineinſchauen will.
Es hilft nicht, ſprach er, auch ich muß wieder zu Tale. Der


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