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426 Fünfundzwanzigſtes Kapitel.
Wangen, dann ſchwang er ſein ſchwarzrot Gefieder hinauf in die
blauen Lüfte, als woll' er dem hohen Säntis des Einſiedels Ab⸗
zug vermelden.
Aber Ekkehard ſtieß ſeinen Speer auf und wandelte den ge⸗
wohnten ſchwindelnden Pfad hinunter. An der Felswand zum
Aſcher hielt er noch einmal und winkte hinauf zu ſeiner Siedelei
und tat einen Jodelruf, daß es am Kamor erklang und am
hohen Kaſten und rollender Widerhall an der Maarwieſe vorbei
zog bis in die fernſten Winkel des Gebirges. Der kann's!
ſprach ein heimkehrender Hirt unten im Tal zu ſeinem Ge⸗
fährten.
Schier wie ein Geißbub! ſagte der andere, als Ekkehard jen⸗
ſeits der Felswand verſchwand.
— — Der aufgehende Tag hatte ſchon etlichemal ſeine Strah⸗
len auf das Wildkirchlein geworfen, das traurig einem ver⸗
laſſenen Neſt gleich ins Tal hinunterſchaute. Der Bergbruder
kam nimmer zurück.
Am Bodenſee rüſtete man zur Weinleſe. An einem milden
Abend ſaß Frau Hadwig im Gärtlein ihrer Burg, die treue
Praxedis zur Seite. Die Griechin hatte unerquickliche Zeiten.
Ihre Gebieterin war verſtimmt, mißzufrieden, unzugänglich.
Auch heute wollte ein Geſpräch nicht gelingen. Es war ein
ſchlimmer Gedächtnistag.
Heute iſt's ein Jahr, hub Praxedis ſcheinbar gleichgiltig an,
daß wir über den Bodenſee fuhren und beim heiligen Gallus
anſprachen. Die Herzogin ſchwieg. — Es iſt viel geſchehen
ſeitdem, wollte Praxedis beifügen — das Wort verhauchte auf
den Lippen.
Wißt Ihr auch, gnädige Herrin, was die Leute von Ekkehard
ſagen? fuhr ſie nach geraumer Weile fort.
Frau Hadwig ſchaute auf. Es zuckte um ihre Lippen. Was
ſagen die Leute? ſprach ſie gleichgiltig.
Herr Spazzo hat neulich den Abt von Reichenau getroffen,
erzählte Praxedis, der ſagte: Wiſſet Ihr auch etwas Neues?
Den Alpen iſt Heil widerfahren, das Joch des Säntis ertönt
von Lyraklang und Dichtergezwitſcher, ein neuer Homer hat
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