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Ausklingen und Ende. 427
ſich droben eingeniſtet, und wenn er wüßte, in welchen Höhlen
die Muſen hauſen, ſo könnt' er ihren Reigen anführen wie ein
cynthiſcher Apollo 28²). Und wie Herr Spazzo kopfſchüttelnd
erwiderte: Was geht das mich an? da ſprach der Abt: Es iſt
Euer Ekkehard, aus der Kloſterſchule von Sankt Gallen hat's
die Fama zu uns getragen. Herr Spazzo hat lachend dazu ge⸗
ſagt: Wie kann der ſingen, der nicht einmal erzählen kann?
Die Herzogin war aufgeſtanden. Schweig! ſprach ſie, ich
will nichts davon wiſſen. Praxedis kannte das Zeichen ihrer
Hand und ging betrübt von dannen.
Frau Hadwigs Herz aber dachte anders, als ihre Zunge
ſprach. Sie trat an des Gärtleins Mauerwehr und ſchaute hin⸗
über nach den helvetiſchen Bergen. Dämmerung war einge⸗
brochen, ſchwerfällige lange ſtahlgraue Wolkenſtreifen ſtanden
unbeweglich über dem Abendrot, wie darauf genagelt, das zit⸗
terte und flammte wehmütig drunter vor. Im Rinnen und
Zerrinnen des letzten Tagesſtrahls ward auch ihr Denken weich.
Ihr Auge blieb drüben auf dem Säntis haften, — es war ihr,
als hätte ſie eine Erſcheinung, als täte ſich der Himmel auf
und ſeine Engel kämen durch die Lüfte gefahren und ſenkten
ſich hernieder zu jenen Höhen und brächten einen Mann getra⸗
gen im wohlbekannten Mönchsgewand — und der Mann war
blaß und tot, und ein Lichtglanz, ſchön und lauter, umſchwebte
das luftige Geleit. ..
Aber Ekkehard war nicht geſtorben.
Ein ziſchender leiſer Ton ſchreckte die Herzogin auf, ihr Auge
ſtreifte an dem Felsabhang vorüber, über den einſt der Ge⸗
fangene entronnen, eine dunkle Geſtalt entſchwand im Schatten,
ein Pfeil kam über Frau Hadwigs Haupt geflogen und ſank
langſam zu ihren Füßen nieder.
Sie hob das wunderſame Geſchoß auf. Nicht Feindeshand
hatte es dem Bogen entſchnellt, feine Blätter Pergaments waren
um den Schaft gewunden, die Spitze umhüllt mit einem Kränz⸗
lein von Wieſenblumen. Sie löſte die Blätter und kannte die
Schrift.
Es war das Waltharilied. Auf dem erſten Blatt ſtund mit
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