Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 428
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0192
428 Fünfundzwanzigſtes Kapitel.

blaßroten Buchſtaben geſchrieben: Der Herzogin von Schwa⸗
ben ein Abſchiedsgruß! und dabei ſtund der Spruch des
Apoſtels Jakobus: Selig der Mann, der die Prüfung
beſtanden!
Da neigte die ſtolze Frau ihr Haupt und weinte bitterlich. —

Hier endet unſere Geſchichte.
Ekkehard zog in die weite Welt, er hat den hohen Twiel
nimmer geſehen, auch ſein Kloſter Sankt Gallen nicht. Er
hatte ſich zwar überlegt, ob er nicht bußfertig wieder eintreten
wolle, wie er, von den Alpen niederſteigend, den bekannten
Mauern nahe gekommen war. Aber es fiel ihm ein Sprichwort
ſeines alten Alpmeiſters ein: wenn einer lang Senn war, wird
er nimmer gern Handbub — und er ging vorbei. Man hat ſpä⸗
ter am Hofe der ſächſiſchen Kaiſer viel von einem Ekkehard ge⸗
hört, der ein ſtolzer, trotziger, in ſich gekehrter Mann geweſen,
bei frommem Gemüt von tiefer Verachtung der Welt beſeelt,
aber lebensfriſch und gewandt, in jeglicher Kunſt erfahren.
Er war des Kaiſers Kanzler, erzog deſſen jugendlichen Sohn,
ſein Rat galt viel in des Reichs Geſchäften. In kurzem, ſchreibt
ein Geſchichtſchreiber von ihm, erſchien er ihnen als ein ſo
Hervorragender, daß es durch aller Mund ging, ſein warte noch
die höchſte Würde der Kirche.
Die Kaiſerin Adelheid wandte ihm ihre volle Hochachtung
zu ²83). Er war auch einer der Haupturſächer, daß der über⸗
mütige Dänenkönig Knut mit Heeresmacht überzogen ward.
Es iſt unbekannt, ob dies derſelbe Ekkehard war, von dem
unſere Geſchichte erzählte.
Andere haben auch behauptet, es ſeien mehrere des Namens
Ekkehard im Kloſter Sankt Gallen geweſen, und der den Wal⸗
thari dichtete, ſei nicht der nämliche, der die Herzogin Hadwig
des Lateins unterwies. Aber wer der Geſchichte, die wir jetzt
glücklich zu Ende geführt, aufmerkſam folgte, weiß das beſſer. —
Von den weiteren Schickſalen der übrigen, die unſere Er⸗
zählung in buntem Wechſel der Geſtalten vor des Leſers Auge
geſtellt hat, iſt wenig zu berichten.


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