Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 429
(PDF, 52 MB)
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Ausklingen und Ende. 429

Die Herzogin Hadwig vermählte ſich nicht wieder und er⸗
reichte in frommem Witwenſtand ein hohes Alter. Sie ſtiftete
ſpäter ein beſcheidenes Kloſter auf dem hohen Twiel und ver⸗
gabte ihm ihre Güter in alemanniſchen Landen. Über Ekkehard
durfte in ihrer Gegenwart nie wieder geſprochen werden; aber
das Waltharilied ward fleißig von ihr geleſen und war ihre
ſtete Tröſteinſamkeit; nach einer unverbürgten Ausſage der
Mönche von Reichenau ſoll ſie es ſogar faſt ganz auswendig ge⸗
wußt haben.
Praxedis diente ihrer Herrin noch etliche Jahre getreu, aber
mählich und mählich ſtieg eine unbezwingliche Sehnſucht nach
ihrer ſonnigen farbenprächtigen Heimat in ihr auf, und ſie be⸗
hauptete, die ſchwäbiſche Luft nimmer ertragen zu können. Reich
beſchenkt ward ſie von der Herzogin verabſchiedet; Herr Spazzo,
der Kämmerer, gab ihr ein ritterlich ehrſam Geleite bis gen
Venetia. Eine griechiſche Galeere trug die immer noch anmutige
Jungfrau von der Stadt des heiligen Markus gen Byzantium.
Die Erzählungen, die ſie dort machte vom Bodenſee und den
wilden treuen Barbarenſeelen ²8⁴) an ſeinen Ufern, wurden von
ſämtlichen Kammerfrauen am griechiſchen Kaiſerhof mit be⸗
denklichem Kopfſchütteln aufgenommen, als ſpräche ſie von
einem verzauberten Meer und einem Lande der Fabel.
Moengal, der Alte, ſorgte noch eine geraume Zeit für das
Seelenheil ſeiner Pfarrkinder. Als die Hunnen wieder mit räu⸗
beriſchem Einfall drohten, beſchäftigte er ſich lange mit einem
Plan zu ihrem Empfang. Er ſchlug vor, auf dem Blachfeld et⸗
liche hundert tiefe Fallgruben zu graben, ſie mit Baumzweigen
und Farrenkraut zu überdecken und hinter ihnen in Schlachtord⸗
nung den anſprengenden Feind zu erwarten, auf daß Roß und
Reiter in jähem Sturz zu Schanden würden. Die ſchlimmen
Gäſte ließen ſich aber nicht wieder im Hegau blicken und erſpar⸗
ten dem Leutprieſter das Vergnügen, ihnen mit wuchtigen Keu⸗
lenſchlägen die Schädel zu zertrümmern. Ein ſanfter Tod er⸗
eilte den alten Weidmann, als er gerade von einer wohlgelun⸗
genen Falkenjagd auszuruhen gedachte.
Auf ſeinem Grab im Schatten der grauen Pfarrkirche wuchs


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