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438 G Anmerkungen.
c. 7. bei Pertz II. 157. An den Heilkräften des Bernſtein wurde nicht ge⸗
zweifelt. Cuod vero medeatur multis vitalium incommodis, medentium
docuit disciplina. Sanktgall. Handſchrift des X. Jahrhunderts bei Hattemer,
Denkmale ꝛc. I. 414.
55) Spicharium novum solis feris et beluis, avibusque domesticis
et domesticatis juxta fratrum condi fecit et ipsum jam fieri jussit
magnificum. Ekkeh. IV. casus S. Galli cap. 16.
56) Simia nare brevi, nate nuda murcaque cauda,
Voceque milvina, cute crisa catta marina,
In quibus ambabus nil cernitur utilitatis.
Ruodlieb fragm. III. 131 u. ff.
57 Dieſe Fabel von der Murmeltiere abenteuerlichem Fuhrweſen, die ſich
das Mittelalter mit großer Behaglichkeit erzählte und die z. B. noch Sebaſtian
Münſter in ſeine Cosmographey aufnahm (p. 498), hat ihren Urſprung in
Plinius historia naturalis.
58) .Ein vogil heizit Caradrius, in dem buoche deuteronomio,
da ist gescriben, daz man in ezzen nescule. Dannan zellet phisio-
logus unt chû⁴t daz er aller wiz si. Ein mist, der von ime vert, der ist
ze den tunchelen ougen vile gůot. Mit disme vogile mach man bechen-
nen, ob der sieche mann irsterben oder genesen scol. Ob er sterben scol,
so cheret sich der caradrius von ime. Ob er ave gnesen scol, so cheret
sich der vogel zuo deme manne unt tuot sinen snabel uber des mannes
munt unt nimit des mannes unchraft an sich; sa vert er f zuo der
sunnen unte liuterit sich dà: so ist der man sa genesen. Physiologus,
ein Weistum von Tieren und von Vögeln, mitgeteilt von Wackernagel, Alt⸗
deutſches Leſebuch I. p. 166 [5. Aufl. I. 353]. Es iſt nicht bekannt, was für
naturgeſchichtliche Tatſachen zu dieſer tieffinnig ſchönen Sage von Caradrius
Veranlaſſung gaben. In Sankt Gallen wurde ſie von Verſchiedenen verſchieden
erfaßt, denn während ſich unter den Tiernamen, die dem Wörterbuch des
heiligen Gallus vorausgeſetzt ſind ([. Hattemer, Denkmale ꝛc. I. 9. 10.), die
bedeutſame Gloſſe findet: Cha-ra-drion: et ipsam non habemus, sed
tamen dicitur et ipsam volare per medias noctes in sublimitate coeli,
begnügen ſich ſpätere Handſchriften damit, das Wort caradrius geradezu mit
lericha, Lerche, zu überſetzen, was auf ein Verſchwinden der früher bekannten
Sage zu deuten ſcheint. S. Hattemer, Denkmale ꝛc. I. 287. 318 u. a.
59) . IJongum est dicere, quibus jocunditatibus dies exegerit et noctes,
maxime in processione infantum, quibus poma in medio ecclesiae pavi-
mento antesterni jubens, cum nec unum parvissimorum movere neé
ad ea adtendere vidisset, miratus est disciplinam. Ekkeh. IV. casus
S. Galli c. I. Pertz, Mon. II. 84.
60) Homo animal capax disciplinae Hroswitha v. Gandersheim.
61) Notker Labeo hat den Erwartungen, die der Abt auf ihn ſetzte, entſprochen.
Er erwarb ſich den Ruhm des gelehrteſten Mannes ſeiner Zeit. „Er war, wie
aus ſeinen Schriften erhellt, ein Gottesgelehrter, ein Muſiker, ein Dichter,
ein Aſtronom, ein Mathematiker; in der Bibel, in den Kirchenſchriftſtellern,
Vätern und Klaſſikern wohl bewandert, der deutſchen, lateiniſchen und griechi⸗
ſchen Sprache mächtig.“ J. v. Arx, Geſchichte von St. Gallen I. 277. Seine
noch vorhandenen deutſchen Werke bilden den zweiten und dritten Band von
Hattemers Denkmalen des Mittelalters. Es ſind insbeſondere die Auslegungen
der Pſalmen, des Ariſtoteles, des Boethius, des Marcianus Capella und ein Auf⸗
ſatz über Tonkunſt. Notker, der Großlefzigte, ſtarb in hohem Greiſenalter an
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