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Anmerkungen. L 439
der Peſt. Vor ſeinem Tod legte er eine öffentliche Beichte ab, in der er u. a.
ſeine Reue darüber ausſprach, daß er einſt in klöſterlichem Habit einen Wolf
erſchlagen.
62) Die Stelle iſt aus Ariſtoteles' Kategorien cap. 36. Notkers Überſetzung
ſ. bei Hattemer III. 401.
63) Erat utique jus illorum, sicut adhuc hodie quidem est, quoniam
exleges quidem sunt, ut hospites intrantes captant, captos, usque dum
se redimant, teneant. Ekkeh. IV. casus S. Galli c. I. Pertz, Mon. II. 91.
64) „enimvero si vixero,“ ait, „me rediman et talem indolem
remunerabo.“ Collectisque quantotius ante januam scolarum fratrum
primis, statuit pueris illis et eorum perpetuo posteris pro testamento
singulis annis ludi sui tribus ab imperio statutis diebus in eisdem
scolarum aedibus carnibus vesci et de abbatis curte singulos tribus
donari aescis cottidie et potibus. Quod cum ipse quidem annuatim
praesens solvi juberet, postea ita solutum est usque ad Ungrorum, de
quibus loco suo dicturi sumus, invasiones. Ekkeh. IV. casus S. Galli
c. I.
65) Fehler wider die Ordensregel zogen die Strafe der Geißelung nach ſich,
der ſich die Kloſtergeiſtlichen willig unterwarfen, wiewohl es eine knechtiſche
Züchtigung war und ein Freier, mit dieſer Strafe belegt, nach den alten Volks⸗
rechten ſeine Freiheit verlor. Der Schuldige ward an eine Säule gebunden
und nach Ausziehung der Oberkleider gegeißelt. Eine noch erhaltene Geißel⸗
kammer, ähnlich der hier beſchriebenen, findet ſich im württembergiſchen Kloſter
Maulbronn. In den Kloſterſchulen bediente man ſich der Rute. Daß die Buß⸗
werkzeuge von denen, die darunter zu leiden hatten, in gutmütigem Humor mit
eigenen Namen verſehen wurden, beweiſt des Biſchof Salomo Wörterbuch, wo
die anguilla (Schlange oder Aal) von der scutica (Niemenpeitſche) unter⸗
ſchieden wird.
66) Tacitus German. cap. 8.
67) Pectines eburnei. . In Kämmen trieb das Mittelalter Luxus. Be⸗
kannt iſt der ſilbergefaßte ſteinderzierte Kamm der Longobardenkönigin Theodo⸗
linde im Domſchatz zu Monza und der von Heinrich II. herrührende Elfenbein⸗
kamm in Bamberg. Die Sitte, die gewöhnlichſten und gleichgiltigſten Verrich⸗
tungen des täglichen Lebens mit einem Gebet einzuleiten, veranlaßte, daß
man auch für Schneiden und Kämmen des Haupthaars, Zuſtutzen des Barts
uſw. Gebetsformeln aufſtellte. Die Handſchrift 395 der ſanktgall. Bibliothek
enthält deren eine Reihe, und da ſich dieſelbe mit einer benedictio ad omnia,
quae volueris ſchließt, darf man ſich billig nicht mehr wundern, auch die
benedictio ad barbam comendam, ad capillos tondendos uſw. vorzu⸗
finden.
68) Regula S. Benedicti cap. 38: de hebdomadario lectore.
69) Für diejenigen verehrten Leſerinnen, die mit dem Althochdeutſch noch
weniger vertraut ſind als der Verfaſſer dieſer Anmerkungen, und die ſich viel⸗
leicht dafür intereſſieren, wie dieſer Pfalm damals wirklich in Ekkehards Mund
und Sprechweiſe geklungen habe, ſei hiemit die wenig Jahrzehnte ſpätere Ver⸗
deutſchung Notkers als Probe mitgeteilt: Psalmus XLIV. Kuêt wort
iröpfezta min herza. minin werch sago ih démo chüninge. min wort
ist also stâäte also diu scrift des spuötigo scribenten. Scöne pist du
före allen mênniscon. knada ist kebreitet in dinen lefsen. fone did
ségenöta dih Got in Qêwa. Cürte din swert umbe din dieh: filo ge-
wâltigo. mit dinemo ménniscinen bilde unde mit dinero gôtelichun
sconi. Sin an ünsih. unde främspuotigo chum hära fone himele unde
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