Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 441
(PDF, 52 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Anmerkungen. 441

83) „Alpina siquidem corpora vocum suarum tonitruis altisone perstre-
pentia susceptae modulationis dulcedinem proprie non resultant. Quia
bibuli gutturis barbara feritas, dum inflexionibus et repercussionibus
mitem nititur edere cantilenam, naturali quodam fragore quasi plaustra per
gradus confuse sonantia rigidas voces iactat.“ Ein ſanktgalliſcher Muſik⸗
freund, der dies italiſche Kunſturteil ſpäter doch zu leſen bekam, ſchrieb an
den Rand: vide jactantiam romaniscam in teutones et gallos! d. h.:
„Siehe da wieder Ein Stück romaniſcher Unverſchämtheit gegen die Deutſchen
und Franzoſen!“ S. Hattemer, Denkmale ꝛc. I. 420.
84) Mit Geſchenk, Kuß und Scheidetrank nehmen nach mittelalterlicher Sitte
Gaſtfreunde voneinander Abſchied. Dieſe Förmlichkeiten wurden ſtreng einge⸗
halten. Biſchof Salomo von Konſtanz ſchenkte den zum Gaſtmahl geladenen
Kammerboten koſtbare Glasgefäße, und wiewohl ſie, Groll im Herzen tragend,
die Gläſer zu Boden fallen laſſen, daß ſie zerbrechen, küſſen ſie einand noch
und trinken des Abſchieds Minne. „Amoreque, ut moris est, osculato et
epoto laetabundi discedunt.“ Ekkeh. IV. casus S. Galli c. 1. bei Pertz,
Mon. II. 84. S. auch Ruodlieb fragm. III. v. 221. Eine anmutvolle Schil⸗
derung ſolcher Courtoiſie gibt des Nibelungenlieds ſiebenundzwanzigſtes Aben⸗
teuer, da König Gunther mit ſeinen Mannen ſich beim Markgrafen von
Bechelaren beurlaubt. Auch die Frauen verſchmähten nicht, ſich mit minnig⸗
lichem Kuſſe von ihren Gäſten zu ſcheiden.
85) Ein ſolches Schauſtück iſt ausführlich beſchrieben im Ruodlieb fr. III.
v. 309 u. ff.
86) Einträge dieſer Art auf dem Titelblatt, wie ſie jetzt noch die Kinder
herkömmlicherweiſe in ihre Schulbücher zu machen pflegen, kommen in damali⸗
gen Handſchriften häufig vor.
87) Dieſes Pſalmenbuch, der ſ. g. liber Sancti Galli aureus, iſt jetzt noch.
ein Kleinod der ſanktgalliſchen Bibliothek. Die in friſchen Farben glänzenden
Miniaturen ſind in manchen Motiven noch vom nachwirkenden Geiſt der Antike
erfüllt, gewandt, mit Verſtändnis von Geſtalt und Faltenwurf und einer ge⸗
wiſſen unbefangenen künſtleriſchen Sicherheit hingezeichnet und leicht koloriert.
Die mit reichen Arabesken gezierten Initialen und das die Bilder umrah⸗
mende architektoniſche Beiwerk gewähren mannigfache Einſicht in die baulichen
Formen jener Zeit, deren monumentale Reſte ſo ſelten geworden. — Auch
Anfänge der Wandmalerei zum Schmuck der kirchlichen Gebäude kommen
ſchon vor. Ein Abt Immo ließ in vielen an den Wänden der Münſterkirche
angebrachten Gemälden die Lebensgeſchichte des heiligen Gallus darſtellen;
von einem ſpäteren Abt Manegold wird berichtet, daß er ein Bild de materia
genealogiae Christi und außerdem ein letztes Gericht in muro bonis
coloribus herſtellen ließ. S. casuum S. Galli II. continuatio c. 8. Pertz,
Monum. II. 161. Ild. v. Arx, Geſchichte des Kantons St. Gallen I. 237. Die
Wandmalereien des Kloſters Reichenau ſind beſungen von Burkhard bei Pertz,
Monum. IV. 629.
88) Vocabularius Sancti Galli, dem Sprachforſcher wichtig durch den
Schatz althochdeutſcher Wörter, noch erhalten und vielfach abgedruckt, z. B. bei
Hattemer, Denkmale ꝛc. I. 11—14.
89) Auch dieſes wertvolle Denkmal aus der Zeit Kaiſer Ludwig des From⸗
men wird noch von der ſanktgalliſchen Bibliothek bewahrt. Bgl. Keller, der
Bauriß des Kloſters Sankt Gallen.
90) . . Thieto caminatam quandam „veterum seniorum angulum“ voca-
tam introiit. Ekkeh. IV. casus S. Galli cap. 6. Pertz, Mon. II. 112. Bgl.
auch II. 135.


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