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Anmerkungen. 443
des Bemalens der Augenlider und des Tätowierens der Arme ſcheint den
Scoten und Iren damals gefallen zu haben. Die alſo eingeätzten Bilder mögen
von roher, ſchier unverſtändlicher Häßlichkeit geweſen ſein, wie dies aus den
noch vorhandenen Miniaturen iriſcher Herkunft in den Handſchriften geſchloſſen
werden darf. Dieſelben ſind durch fremdartigen und — wenn das Wort noch
erlaubt iſt — keltiſch unſchönen Ausdruck, ſowie durch gänzlich barbariſche Art
der Darſtellung ſehr unvorteilhaft von den gleichaltrigen, von germaniſcher
Hand gefertigten, verſchieden. Der Chriſtus am Kreuze mit ſeinem hufeiſen⸗
förmigen arabeskenartigen Bart und verzwicktem Munde, und die als Tier⸗
geſtalten gezeichneten Evangeliſten haben etwas Fetiſchartiges.
107) „Das Silbergeld beſtand lang in einem Bleche, das ſo dünn wie Laub
und nur auf einer Seite grob und tief gepräget war (anummi bracteati).“
J. v. Arx, Geſchichte ꝛc. I. 451.
108) „Sie wollen lieber Jäger als Lehrer, lieber kühn als mild, lieber ver⸗
ſchlagen als herzenseinfältig heißen . .. Sie ſpielen Kreiſel und meiden dar⸗
um auch das Würfelſpiel nicht. Sie gehen fleißig mit dem Spielbrett anſtatt
mit der Schrift, mit der Wurſſcheibe anſtatt mit dem Buch um. Sie wiſſen
beſſer, was dich ein Fehlwurf koſtet, als was die Heilswahrheit fordert, ver⸗
bietet oder verheißt, beſſer was der Glückswurf bringt, als was ſie Gott zu
danken ſchuldig ſind ... Sie laſſen ſich ſilberne Schalen, Kannen von großer
Koſtbarkeit, Krüge (crateres), ja Trinkhörner (conchas) von bedeutendem Ge⸗
wicht und einer jedem Zeitalter verhaßten Größe machen. Sie bemalen ihre
Weinkrüge und Schleifkannen, während die nahe Baſilika von Ruß erfüllt iſt.“
Vogel, Ratherius von Verona und das zehnte Jahrhundert I. p. 44.
109) Moengals Latein iſt etwas verwildert. Wenn indes ſelbſt Biſchöfe in
der Hoſſprache ſich klaſſiſcher Wendungen wie: sic omnes perriparii possunt
bubus agricolantibus vetrenere (So kann jeder Bauer am Pfluge ſeinen
Ochſen was vordröhnen) bedienten und Geſchichtſchreiber dies in ihren Text
aufnahmen (Monachus San. Gall. gesta Karoli I. 19 bei Pertz, Mon. II.
739), ſo darf dem Latein eines Leutprieſters einiges zu gut gehalten werden.
110) . . Moengal, postea a nostris Marcellus diminutive a Marco avun-
culo sic nominatus, hic erat in divinis et humanis eruditissimus etc..
Siehe die ganze Geſchichte ſeines Beſuchs und Verbleibens im Kloſter bei
Ekkeh. casus S. Galli cap. 1. Pertz II. 78.
111) .. in campanarium S. Galli per gradus ad hoc dquidem nobis
paratos ascendere, incipit, uti oculis, quia gressu non licuit,
montes camposque circumspiciens, vel sic animo suo vago
satisfaceret. Ekkeh. casus S. Galli c. 3. Pertz, Mon. II. 99.
112) Den Haken hatte ſie. Kam vor kurzem ein ſchriftgelehrter Sohn der
grünen Erin in die Bücherei des heiligen Gall, ſich ſeines frommen Vorfahren
Werk genau zu beſehen und abzuſchreiben. Da reichten ſie ihm den in ſchwarzen
Samt gebundenen Kodex des Priscianus, und er hub die Arbeit an; bald aber
tönte ein verhaltenes Lachen zu den Bücherbewahrern im großen Saal, und
wie ſie herüberkamen, verdeutſchte ihnen der Rektor von Dublin die iriſchen
Gloſſen zum Latein, wie folgt:
Gottlob, es wird ſchon dunkel!
Heiliger Patrik von Armagh, erlöſe mich von der Schreiberei!
O daß mir ein Glas alten Weines zur Seite ſtünde uſw.
Das war Moengals UÜberſetzungswerk!
113) Der Wachtelruf ſcheint den Ohren mittelalterlicher Weidmänner etwas
anders geklungen zu haben als heutzutag, denn das Wort quakkara, womit
der Mönch von Sankt Gallen („.Fgquakaras etiam et alia volatilia“ gesta
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