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444 Anmerkungen.
Karoli I. 20. bei Pertz II. 739) auſtatt des klaſſiſchen coturnix die Wachtel
ſelbſt bezeichnet, ſoll offenbar den Eindruck des Wachtelſchlags wiedergeben.
Dieſer brave Schriftſteller, in welchem die Nachwelt einen Mitbegründer des
Jägerlateins zu verehren hat, mag übrigens den Wachteln und „dem andern
Geflügel“ auf eigenen Weidmannszügen ebenſo oft nachgezogen ſein als irgend⸗
ein Autor ſpäterer Tage. In Gloſſen ſanktgalliſcher Handſchriften wird indes
die Wachtel auch quasquila und quatala benannt. S. Hattemer, Denkmale ꝛc.
I. 246 u. a.
114) Nicht ohne Grund. Herr Luitfried drang damals mit gezücktem Schwert
unter Schmähreden auf den Biſchof ein; nachdem ihn ſeine Oheime zurückge⸗
halten und Rates gepflogen, was mit dem Gefangenen beginnen, ſtimmte er
dafür, ihm entweder die Augen auszuſtechen oder die rechte Hand abzuhauen.
Auf dem Weg zur Thietpoldsburg zwang man den Kirchenfürſten, etlichen
herbeigelaufenen Schweinehirten die Füße zu küſſen uſw.
115) . paratur citissime lavacrum; ut pulvere et lassitudinis tergé-
retur sudore. Ekkeh. IV. casus S. Galli c. 1. Pertz, Mon. II. 86.
116) Commoditas talentum valet! (alter geiſtlicher Spruch).
117) .. Duellium die condictio cum aegre exspectatus veniret, ultra
quam ipse vellet susceptum in conclave suo proximum, suum, ut ipsa
ait, manu duxit magistrum. Ibi nocte et die cum familiari aliqua
intrare solebat ad legendum pedissequa, foribus tamen semper apertis,
ut, si quis etiam ausus quid esset, nihil quod diceret, sinistrum
haberet. Illic quoque crebro ambos ministri et milites, principes
etiam terrae, lectioni aut consiliis invenerunt agentes. Ekkeh. casus
S. Galli c. 10 bei Pertz, Mon. II. 123.
118) S. Grimm, deutſche Rechtsaltertümer, 1. Aufl. p. 339.
119) S. Grimm, deutſche Mythologie, 3. Ausg. p. 695.
120) . Kvasque magnum, quod vulgo cupam vocant, quod viginti et
sex modios amplius minusve capiebat, cerevisia plenum in medio
habebant positum. Vita S. Columbani.
121) Ausonius Idyll. 7.
122) Das alemanniſch⸗ſchwäbiſche Heidentum beruhte auf einem einfachen
Kultus der Natur. „Sie verehren Bäume, Waſſerſtröme, Hügel und Berg⸗
ſchluchten. Pferden, Rindern und vielen andern Tieren ſchneiden ſie das Haupt
vom Rumpf und bringen ſie dieſen als Schlachtopfer dar,“ ſo ſchreibt der
Grieche Agathias im ſechſten Jahrhundert von den Alemannen im Gegenſatz
zu den chriſtlichen Franken. „Betet keine Götzen an weder an Felſen noch an
Bäumen, weder an abgelegenen Orten noch an QZuellen, auch nicht auf Kreuz⸗
wegen bringet eure Anbetung und eure Gelübde dar,“ predigt der heilige
Pirminius, Stifter der Reichenau, zwei Jahrhunderte ſpäter. Wer da weiß,
mit welcher Zähigkeit der Bauer in ſeiner Sitte die Überlieferung altersgrauer
Vergangenheit bewahrt, und wie noch manche ſeiner heutigen Bräuche an die
Opfer des Heidentums gemahnen, den wird es nicht befremden, im zehnten
Jahrhundert noch auf nächtliche biertrinkende Konventikel zu ſtoßen, die ſich
von denen zu des heiligen Columban Zeiten wenig oder gar nicht unterſcheiden.
Ob übrigens eine in ähnlichen Formen, wie die hier beſchriebenen, ſich be⸗
wegende Sitte des gemeinſchaftlichen Trinkens auf den deutſchen Hochſchulen,
die unter dem Namen „einen Salamander reiben“ bekannt, aber von nieman⸗
den erklärt iſt, nicht auch einen Anklang an altheidniſche Trankopfer enthalte,
bleibe dahingeſtellt, wiewohl die Wiſſenſchaft darüber einig iſt, daß „durch die
religiöſe Bedeutung des Trinkens ein überraſchender Zuſammenhang in mehrere
andere Gebräuche kommt.“
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