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446 Anmerkungen.
Salica nov. 262, 263, 264), ſo bleibt es ziemlich unklar, wie derſelbe hier als
ein im zehnten Jahrhundert in Alemannien geltender aufgeführt werden kann.
128) Dem „böſen Auge“ der Hexen wurden viel üble Wirkungen zugetraut;
es kann Säuglinge ſchwindſüchtig machen, Kleider in Stücke reißen, Schlan⸗
gen töten, Wölfe ſchrecken, Straußeneier ausbrüten, Ausſatz erwecken ꝛc. Als
Schutz gegen ſolche „faſzinierende“ Blicke pflegte man auch die Pfote des
blinden Maulwurfs zu tragen. S. Grimm, deutſche Mythologie p. 1053.
129) ..si quis mulierem „stria“ clamaverit et non potuerit adpro-
bare uſw. lex Salic. c. 64.
130) „Din got, der ist ein junger tör,
ich will glouben an den alten.“
St. Oswald.
131) Folchardi codex aureus (Handſchrift der ſanktgalliſchen Bibliothek)
pag. 75.
132) „Eine Geſchichte der deutſchen Kuchen und Semmeln ließe ſich nicht
ohne unerwartete Aufſchlüſſe zuſammenſtellen.“ Grimm, deutſche Mythologie,
3. Ausg. p. 56.
133) Biſt du nicht auch ſchon, verehrte Leſerin, in ſtiller Einſamkeit der
Nacht kartenſchlagend oder bleigießend oder loswerfend damit beſchäftigt ge⸗
weſen, den künftigen Freier zu ergründen? All dieſe Mittel zu Erratung
kommender Dinge ſind Reſte grauen Heidentums. — Auch des Kämmerer
Spazzo Turmgang ſcheint ähnliches bezweckt zu haben. Es war nicht unge⸗
wöhnlich, daß man ſich in der Neujahrsnacht auf das Hausdach ſetzte, ſchwert⸗
umgürtet, um die Zukunft zu erforſchen. S. Grimm, Mythol. p. 1070.
134) . Sacratos noctis venerabilis hymnos.
135) Über die in jenem Zeitalter hervorragenden alemanniſchen Grafen und
Herrengeſchlechter ſ. Stälin, Geſchichte von Wirtemberg I. 544 u. ff.
136) Nova stella apparuit insolitae magnitudinis, aspectu fulgurans
et oculos verberans non sine terrore. Annales S. Gallenses majores bei
Pertz, Mon. I. 8.
137) S. Berthold, der Heerwurm, gebildet aus Larven der Thomas⸗Trauer⸗
mücke, Göttingen 1854.
138) Der fromme Wahnglaube vom Hereinbrechen des jüngſten Tages und
vom bevorſtehenden Ende der Welt war in karolingiſcher und ſpäterer Zeit ein
ſehr häufiger. Viele Vornehme und Geringere ſahen ſich dadurch behufs der
Sicherung ihres Seelenheils zu Schenkungen an die Kirche veranlaßt. Mundi
terminum appropinquantem ruinis crebrescentibus jam certa signa mani-
festant beginnt z. B. ein in Mones Anzeiger 1838 p. 438 mitgeteilter Schen⸗
kungsbrief.
139) Seit Ausgang des neunten Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des
zehnten gehörten die Einfälle der Ungarn in den deutſchen Gauen zu den
gewöhnlichen Landplagen; Nord und Süd wurden von ihnen heimgeſucht. Die
gleichzeitigen Geſchichtſchreiber nennen ſie bald Avaren oder Agarener, bald
Ungarn (wobei der Name in abenteuerlicher Etymologie vom Hunger abgeleitet
wird, der ſie aus den Steppen Pannoniens vorwärts trieb.. innumerabilis
eorum crevit exercitus et a fame, quam patiebantur, Hungri vocati sunt.
Epistola Remigii bei Martène collect. I. 234), noch öfter aber Hunnen,
wiewohl die Abſtammung derſelben von dem Hunnen⸗König Attila keineswegs
zu den erwieſenen Tatſachen gehört. Letztere altertümliche Bezeichnung iſt in
unſerer Erzählung beibehalten.
Umſtändlichere Schilderung dieſes fremden Reitervolkes gibt ſchon Regino in
ſeinem Chronicon. ad ann. 889 (Pertz, Mon. I. 600). Das Bild, das er
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