Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 448
(PDF, 52 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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448 Anmerkungen.

linger Wein als der ſchlechteſte am Bodenſee“. Neuerdings ſoll der dortige
Rebenſaft um ein bedeutendes beſſer geworden ſein als ſein Ruf.
145) ſ. Einhardi vita Karoli Magni c. 13 bei Pertz, Mon. II. p. 449.
146) ſ. Gibbon, Geſchichte des römiſchen Weltreichs c. 35.
147) „Scitis“ inquit, „o fideles mei, quid tantopere ploraverim?“
„Non hoc,“ ait, „timeo, quod isti nugae et nihili mihi aliquid nocere
praevaleant: sed nimirum contristor, quod me vivente ausi sunt litus
istud attingere, et maximo dolore torqueor, quia praevideo, quanta
mala posteris meis et eorum sunt facturi subjectis.“ Monachi S. Gal-
lens. gesta Karoli II. 22 bei Pertz, Mon. II. 757.
148) Dieſe Auffaſſung der vielbeſprochenen und folgenſchweren Krönung
Karl des Großen in Rom am Weihnachtsfeſt 800 zum Kaiſer und Schirmherrn
der römiſchen Kirche entſpricht der Anſicht, die die Zeitgenoſſen von der Sache
hatten. Der Papſt, der dadurch das läſtige Schutz⸗ und Aufſichtsrecht ſeiner
byzantiniſchen Oberherrn loswerden wollte, hatte ſeinen beſtimmten Plan,
wenn er auch die Tragweite und Folgen des Ereigniſſes nicht im Auge hatte.
Seitens des fränkiſchen Herrſchers aber war die Annahme dieſer Kaiſerwürde
ein Akt der Uſurpation den legitimeren Byzantinern gegenüber, und es iſt
wohl zu erklären, warum die Berichterſtatter erzählen, er würde an jenem
Tage keinen Fuß über die Schwelle der Peterskirche geſetzt haben, wenn er
des Papſtes Abſichten hätte erraten können, ſ. den Monachus San Gallensis
und Einhardi vita Karoli M. cap. 16 und 28.
149) ſ. Hincmar von Rheims Annalen ad ann. 862 bei Pertz, Mon. I. 458.
150) ſ. Hermanns des Lahmen von Reichenau Chronik ad. ann. 888 Pertz,
Mon. V. 109.
151) .. vel, ut perturbatores reipublicae dignum est pati, usque ad
cinerem concremati et in omnem ventum dispersi cum nominibus vel
potius ignominia et memoria sua condemnentur in secula! Erchan-
berti breviarium ad ann. 880 bei Pertz, Mon. II. 330.
152) Die Geſtalt des Alten in der Heidenhöhle möchte hiſtoriſch etwas an⸗
zuzweifeln ſein. Alle Merkmale deuten auf Karl den Dicken, aber der war
eigentlich längſt geſtorben, bevor die erſte Stunde des zehnten Jahrhunderts
ſchlug. Indes, was die Geſchichte trennt, fügt die Sage wieder zuſammen, und
wie ſie einſt dem oſtgotiſchen Dietrich von Bern im Nibelungenlied eine
Stellung verſchaffte., auf die er ſeinen hiſtoriſchen Präzedenzien nach gar keine
nachzuweiſenden Anſprüche hat, ſo gefällt es ihr, den letzten Träger des karo⸗
lingiſchen Weltreichs an einen ſtillen Ort zu entrücken und ihm eine Gerech⸗
tigkeit angedeihen zu laſſen, die ihm die Mitlebenden verſagten.
Eines Gerüchtes, daß der alte Kaiſer nicht geſtorben, ſondern von ſeinen
Feinden ſtranguliert worden ſei, erwähnt der Mönch von Vaaſt in ſeinen Jahr⸗
büchern bei Pertz, Mon. II. 203. Das Volk aber, das von ihm ein ganz ander
Bild im Herzen trug, als der Haß der Parteien, die ihn mit entſtellten Zügen
der Nachwelt geſchildert, und das in dem hereingebrochenen Jammer der nächſten
Jahrzehnte keinen Grund fand, ſeine Abſetzung als den Anbruch beſſerer
Zeiten zu begrüßen, hielt in Alemannien an dem Glauben feſt, daß er gar
nicht geſtorben ſei und noch, wie früher und ſpäter manch ein anderer Held,
in irgendeiner Höhle verborgen ſitze, um zu rechter Stunde wieder herauszu⸗
treten und die Zügel ſeines Reiches zu Handen zu nehmen. Mehrere Aufſtände
in Alemannien gegen den durch Karls des Dicken Sturz empor gekommenen
Kaiſer gaben Zeugnis von dem Anteil, den man für ſeinen abgeſetzten Vorfahr
hegte.
Auch die neuere Geſchichtſchreibung beginnt, die wahren Gründe der Abſetzung


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