Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 7
(PDF, 54 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0009
Säkkinger Epiſteln.
Erſte Epiſtel in die Heimat.

Säkkingen, den 6. Januar 1850.

Alſo in Säkkingen! — Heute vor acht Tagen um Mitter⸗
nacht habe ich meinen Einzug gehalten.
Nachdem ich Sonnabend in Offenburg beim wackern Alexan⸗
der, dem aber die Einquartierung und die Steuerlaſt ſchwer
auf dem Herzen liegen, Mittag gemacht und abends von
Langendenzlingen aus nach Waldkirch hinübergefahren war,
wo ich ſchöne Simonswälder Strohhüte und Taillen, gutes
Bier und den Rechtspraktikant Kamm antraf, der mich mit
germaniſcher Gaſtfreundſchaft aufnahm, brachte mich der letzte
ſonntägliche Bahnzug durch die in trüber Schneebeleuchtung
ſich im Rhein ſpiegelnden Iſteiner Felſen nach Efringen, und
von da ward ich — ohne zu wiſſen wie — in verſchiedenen
Omnibus und Eilwagen nächtlicherweiſe nach Säkkingen be⸗
fördert und in mitternächtlicher Stunde auf der Landſtraße vor
dem Poſtgebäude an die Luft geſetzt.
Das erſte Weſen, was ich allhier anſichtig wurde, war ein
biederer Hausknecht, der ſich nach einigen Pauſen meiner er⸗
barmte und mich mit dem Koffer in die Stadt Säkkingen herein
auf den Marktplatz vor das Gaſthaus zum „Chnopf“ führte.
Hier hatte ich ebenfalls wieder eine Zeit in friſcher Luft zu
ſtehen, bis des Knopfes Pforten ſich öffneten. Während dieſer
erwartungsvollen Pauſe erſchien, nachdem von den Glocken der
Stiftskirche der zwölfte Stundenſchlag dumpf erklungen war,
das zweite Weſen, das ich allhier erblicken ſollte, — der ſchnöde
Nachtwächter.

„Loſet, was i euch will ſage!
D'Glocke het zwölfi g'ſchlage,“

ſang derſelbige krähend — oder krähte derſelbige ſingend (ich
laſſe euch vollkommen freie Wahl), aber den ſchönen Zuſatz


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