http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0014
12 Epiſteln und Reiſebilder. I.
ſich bei den Zundelfrieder⸗ und Zirkelſchmiedsgeſchichten den
Buckel voll, ſo daß ſich der alte Hebel im Grab noch vor Freude
umdrehen würde, wenn ihm eine Portion des unſterblichen
Gelächters daſelbſt zu Ohren känma.
Das Amthaus und der Gaſthof zum Knopf ſind bis jetzt die
beiden Pole geweſen, um die ſich meine hieſige Exiſtenz drehte;
— daß ich noch nicht weiß, wie es 100 Schritte von Säkkingen
weg in der Welt ausſieht, das habe ich diesmal nicht mir ſelbſt,
ſondern dem ungeheuerlichen Schnee zuzuſchreiben.
Wenn ich neue Entdeckungen an Land und Leuten gemacht
haben werde, dann ſchreib' ich Euch meine zweite Epiſtel. Für
heute iſt der Stoff erſchöpft. Ich hoffe, daß Ihr mir bald
einen ſchriftlichen Gruß ſendet und alle Briefe, die etwa an
mich angekommen ſind, vor allem aber die Münchener. So⸗
dann bitte ich, für den langen Braun eine italieniſche Empfeh⸗
lung irgendwo auszuwirken.
Ich ſelbſt bedarß vorderhand hier nichts weiter, als deſſen,
was ich mitgebracht habe, und erlaſſe Euch alſo jede weitere
Zuſendung von Kleidern oder ähnlichem.
Das ganze Haus wolle ſich als herzlichſt von mir gegrüßt
betrachten. Ich ſchließe mit der Verſicherung meiner unver⸗
underten Hochachtung und einem einfachen: Leben Sie gefälligſt
wohl!
In treuer Liebe
Joſeph.
Zur Nachricht für Vater diene, daß ich die Eilwagenfahrt
von Lörrach hierher mit Herrn Ingenieur Stimpf von Waldhut
gemacht und mich ſehr gut mit ihm unterhalten habe.
Zweite Epiſtel in die Heimat.
Säkkingen, den 13. Januarii 1850.
Wie der Doktor Scheffel ſeine erſte Ausfahrt in den „Wald“ gehalten und dabei
den Balthes Nicker, mehrere Schneelandſchaften und andere Hauenſteiner Bieder⸗
männer, ſowie den „Meyſenharts Joggele“ kennen gelernt hat.)
Heute ziehen wir ein doppeltes Paar wollene Socken an und
ſuchen unſere wärmſten Handſchuhe vor und leihen bei der
Kellnerin im Knopf ein Paar Salbandüberſchuhe, und der
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0014